Rollkoffer kratzen über Asphalt. Motoren röhren. Es stinkt. Pfützen in Batikoptik zeugen von Benzinverlust, abgefahrene Randsteine von schwerem Gerät. "Wo ist der richtige Bus?" Rentner in Funktionskleidung und Backpacker in beigedreckigen Bundeswehrparkas rennen gleichsam panisch von einem Bus zum anderen. Unweit schwatzen Busfahrer rauchend vor der nächsten Tour. Keine Antwort, keine Reaktion.

"Hasse ma' 'n bisschen Kleingeld?" Ein Bettler bittet die Wartenden an der verblichenen Haltestelle um Almosen. Keine Antwort, keine Reaktion. Ein paar Kinder spielen wenige Meter entfernt Fangen. Von irgendwoher ertönt laute Technomusik. Niemand dreht sich um. Nichts ist hier ungewöhnlich. "Alles schon gesehen, das ist Krisengebiet hier", sagt ein Reisender kurz angebunden.

Es ist eine Szene vom vergangenen Wochenende – dem letzten Wochenende mit Hochbetrieb am Kölner Fernbusbahnhof, eingequetscht zwischen dem verwaschenen Rot des Kommerz-Hotels und dem dunklen Blau des Opernzelts. Das kleine, aber unübersichtliche Chaos inmitten der größten Stadt im tiefen Westen Deutschlands ist Geschichte. Seit Mittwoch Mitternacht dürfen die Fernbusse den Halt nicht mehr ansteuern – Köln hat als erste Großstadt in Deutschland Fernbusse aus dem Stadtzentrum an die urbane Peripherie verbannt.

Bislang haben bis zu 100 Busse täglich die Haltestelle direkt neben dem Kölner Hauptbahnhof angefahren, hat der Fernbusbahnhof täglich mehr als 1.500 Einheimische und Touristen in die Stadt gespült. Doch die apfelgrünen Busse der mittlerweile fusionierten Anbieter Flixbus und MeinFernbus, die gelben Postbusse und andere Zigtonner mussten durch ein Nadelöhr, bevor sie ihre Reise antraten oder, dem Bahnhof zustrebend, halten konnten.

Durch einen Kreisverkehr zuckelten die Busse am Breslauer Platz vorbei – bundesweit bekannt durch die blutige Hogesa-Demonstration im vergangenen Jahr – zum Haltepunkt. Dort angekommen, wurde es noch enger: Es knirschte und kratzte am Kölner Fernbusbahnhof. Blechschäden waren keine Seltenheit. Oft entschieden nur wenige Zentimeter über Unfall oder Weiterfahrt.

Ausweichstelle Flughafen

Beschwerden der Busunternehmer? Keine einzige. Die Haltestelle war perfekt – zentral und gut angebunden. Der verwahrloste Zustand und die Enge war für die Kunden kein Problem: "Man ist hier ja schnell wieder weg", kommentierte ein Reisender.

Doch damit ist jetzt Schluss. Per Gerichtsurteil setzt der Kölner Stadtrat einen Beschluss von Ende September durch, der den Haltepunkt neben dem Breslauer Platz verbietet. Der alte Fernbusbahnhof sei zu dreckig, gefährlich und ein Unfall-Hotspot, sagt die Stadt zur Begründung.

Wer nach Köln will, hat künftig also ein Problem. Fernbusreisende müssen jetzt am Flughafen Köln/Bonn aussteigen und von dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln in 15 Minuten ins Stadtzentrum fahren. Der brandneue Busterminal am Airport punktet zwar mit seiner Größe (5.380 Quadratmeter, davon 2.350 Quadratmeter überdacht). Doch er liegt fast 20 Kilometer vom Zentrum entfernt. Zu weit, sagen Fernbuspassagiere.