Wer heute ein Auto aus den 1970er Jahren sein Eigen nennt, der muss in den meisten Fällen den Vorbesitzern dankbar sein. Hätten sie nicht in den vergangenen 40 Jahren dafür gesorgt, dass das Fahrzeug trocken steht oder aufwendig gegen Rost geschützt wird, wäre der heutige Klassiker wie so viele Autos der Ära aufgrund der schlechten Stahlqualität einfach weggerostet.

Heute könnte man ebenso viel Weitblick haben und für künftige Generationen von Autoliebhabern das Gleiche tun. Aber geht das überhaupt? Nur bedingt, meint der Autoclub AvD. Der Hauptgrund: Seit den 1980er Jahren hat sich die Bauweise von Automobilen völlig geändert.

Während bei dem alten Blech nach einem Unfall oder bei einem Korrosionsschaden noch gedengelt, ausgebeult, gestückelt und geschweißt werden kann, ist das bei neuen Modellen meistens nicht möglich. Moderne Karosserien bestehen beispielsweise aus einem Verbund von Materialien mit unterschiedlichsten Eigenschaften, erläutert der AvD: elastische und hochfeste Stähle, teilweise in Verbindung mit Aluminiumteilen, Kunststoffen oder auch Kohlefaser. Karosserien werden geschweißt, gelötet, genietet, geklebt, verklammert – also so gefertigt, dass für die Reparatur Spezialverfahren und Werkzeuge notwendig sind.

Unfallreparaturen können so nur noch durch Tausch mit Originalteilen erfolgen. Wenn etwa im Türschweller aus Stahl ein Aluminiumstrang liegt, kann der nicht einfach gerichtet werden, wenn die Festigkeit erhalten bleiben soll. Sobald die passenden Ersatzteile nicht mehr erhältlich sind, ist eine sachgerechte Reparatur nicht mehr möglich, warnt der Autoclub.

Fehlende Quellcodes

Die Ersatzteilversorgung sehen die Experten als generelles Problem. Oftmals könne in neuen Fahrzeugen nicht repariert, sondern nur als Ganzes getauscht werden. Als Beispiel nennt der Club Instrumententafeln und Lichtsysteme, aber auch die Tür: Das Portal eines Smart bestehe ebenso wie das eines BMW i8 oder eines Audi TT aus einem Verbund gestanzter, geprägter, gezogener Aluminium-, Kunststoff- und Stahlteile, die nur ersetzt, nicht aber repariert werden könnten. Selbst Sitze bestünden aus dem Verbund verschiedener Schäume, die eine unterschiedliche Lebensdauer hätten. Sie können nur komplett ausgetauscht werden – solange Ersatzteile verfügbar sind.

Das betrifft auch Kunststoffteile, beispielsweise Stoßfänger. Sie werden durch UV-Licht, Ozon und Luft angegriffen, verlieren ihre Weichmacher und werden spröde und brüchig. Letzteres wird auch bei Motorhüllen und anderen Verkleidungen zum Problem. Doch für viele Teile wird Ersatz heute nicht einmal mehr für zehn Jahre bereitgehalten.

Neben den Ersatzteilen werden auch elektronische Lösungen für ältere Fahrzeuge nur dann verfügbar sein, wenn das Fahrzeug attraktiv ist und auch als Oldtimer in gewinnversprechenden Stückzahlen verbreitet ist, glauben die Experten des AvD. Das könnte ihrer Meinung nach ein Todesurteil für Alltagsautos ohne Sammlerwert bedeuten, denn diese werden vielfach runtergefahren und nicht aufbewahrt. Darum seien künftig nicht nur die individuellen Elektronikbausteine nicht mehr verfügbar, sondern auch die sogenannten Quellcodes würden nirgendwo hinterlegt. So wäre eine Reparatur elektronischer Komponenten nahezu unmöglich.

Das Fazit der Experten: Wer sein Auto mit in die Zukunft nehmen will, sollte sich beizeiten zum Beispiel Ersatz-Steuerelektronik und Komponenten wie Schließanlage oder Klimaanlage zur Seite legen. Zudem sollte das Fahrzeug am besten ab der Erstzulassung einen umfassenden Korrosionsschutz erhalten, auch für die Hohlräume. Ob dann in 30 Jahren noch Ersatzteile auch für den VW Scirocco oder nur für den Aston Martin DB9 erhältlich sind, ist aus heutiger Sicht offen. Die Startbedingungen sind für beide Modelle jedenfalls ähnlich.