Eine neue Generation oder doch nur ein gründliches Facelift? Auf den ersten Blick kann man das beim Toyota Prius kaum sagen. Zwar sieht die vierte Prius-Auflage, die noch im Dezember in Japan startet und im Frühjahr dann auch nach Europa kommt, ganz anders aus als früher, wird flacher und kantiger. Und Kojo Toyoshima, der Chefingenieur aus der Produktplanung, sagt: "Wir haben in jeder Generation neue Maßstäbe gesetzt. Aber nie war der Fortschritt so groß wie bei unserem neuesten Modell." Doch die wenigen technischen Daten, die Toyota jetzt schon veröffentlicht hat, sind dafür umso näher am Vorgänger.

Es bleibt beim 1,8 Liter großen Vierzylinder mit 98 PS Leistung und einem maximalen Drehmoment von 142 Nm – der Motor kommt laut Toyota jetzt aber auf einen rekordverdächtigen Wirkungsgrad von 40 Prozent. Der Elektromotor leistet dagegen nun sogar nur noch 72 PS und 163 Nm. Keine Änderung indes bei der stufenlosen Automatik, und selbst die technisch überholte Nickel-Metallhydrid-Batterie für maximal zwei Kilometer elektrischer Fahrt bleibt an Bord.

Die Fahrleistungen hat Toyota zwar noch nicht offiziell ermittelt, aber es dürfte wohl bei gut zehn Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h bleiben und sich auch nichts am elektronisch abgeregelten Limit bei 180 km/h ändern. Einzig beim Verbrauch haben die Ingenieure einen weiteren Sprung gemacht – und darum geht es schließlich bei einem Öko-Auto. Die Mannschaft um Toyoshima hat so lange an den bekannten Komponenten gefeilt, bis ihr Zusammenspiel um 15 Prozent effizienter war. Statt 3,9 solle der neuen Prius künftig um die drei Liter je 100 Kilometer verbrauchen, hört man.

Außerdem sind alle Komponenten ein bisschen kompakter geworden. Darum passt die Starterbatterie nun noch unter die Motorhaube und der Hybridakku rutscht unter die Rückbank. Dadurch kann der Kofferraum um zehn Prozent auf 502 Liter wachsen; an den Platzverhältnissen im Innenraum ändert sich bei unverändertem Radstand und sehr ähnlichen Abmessungen nichts.

Die Konkurrenten aus Europa haben aufgeholt

15 Prozent weniger Verbrauch und 50 Liter mehr Kofferraum – das ist ein bisschen wenig, um die Konkurrenz weiter vor sich her zu treiben. Die ist längst aufgewacht und baut mittlerweile bessere Sparautos: Wo Toyota für den Export noch auf die billigen und bewährten, aber nicht ganz so leistungsstarken Nickel-Metallhydrid-Akkus setzt, kommen bei Volkswagen, BMW und Daimler Lithium-Ionen-Zellen zum Einsatz. Die elektrische Reichweite von allenfalls zwei Kilometern im Prius ist ebenfalls nicht konkurrenzfähig. Die Zukunft des Steckdosen-Prius ist dagegen ungewiss, während die deutschen Autobauer konsequent auf die Plug-in-Hybridtechnik setzen. Der Prius mit Steckeranschluss wurde schon bislang nur in Kleinserie gebaut und ist ziemlich teuer. Der Nachfolger kommt frühestens 2017 und wieder nur in limitierter Zahl, räumen die Entwickler ein.

Doch so wenig Toyota am Prius geändert hat, so viel ändert das Auto am Klima. "Denn was nutzen all die Hightech-Konzepte der Konkurrenz, wenn sie nur in homöopathischen Stückzahlen verkauft werden", stänkert ein Toyota-Manager. Die Japaner dagegen kalkulieren realistisch mit 30.000 Autos im Monat und sparen so wahrscheinlich mehr CO2 ein als alle deutschen Plug-in-Hybride zusammen.

Der Innenraum des neuen Prius – jetzt mit weißen Zierstreifen © SP-X

Außerdem hat der Prius plötzlich ganz neue Qualitäten zu bieten. Nicht nur, weil das noch immer billig wirkende Interieur jetzt mit weißen Zierleisten eine Apple-Aura bekommt und Annehmlichkeiten wie ein Head-up-Display, eine automatische Abstandsregelung, einen Notbremsassistenten mit Fußgängererkennung und LED-Scheinwerfer bekommt. Sondern auch, weil sich bei der Fahrkultur viel getan hat. Die neue Plattform, auf der das Auto steht, ist steifer und baut flacher. Man sitzt somit sechs Zentimeter tiefer, hat einen niedrigeren Schwerpunkt und deshalb ein deutlich besseres Gefühl für das Auto.

Dazu verbaut Toyota eine neue Lenkung und eine neue Hinterachse mit aufwändiger Federung. Die Geräuschdämmung und vor allem die stufenlose Automatik wurden deutlich verbessert. Schon fährt sich der Prius wie ein ganz normaler Konkurrent in der Kompaktklasse – mit dem man einfach nicht so oft tanken muss.