Der Kia Optima ist ein wahres Massenauto. Weit mehr als eine Million Exemplare verlassen alljährlich die über den Globus verstreuten Werke – doch nach Deutschland gelangen nur wenige Hundert Stück. Der Grund: Das Mittelklasse-Segment ist hierzulande fest in deutscher Hand. Schade eigentlich, denn, so viel sei vorweggenommen, die Neuauflage der Kia-Stufenhecklimousine ist ein richtig gutes Auto.

Das beginnt mit dem schicken Design, das die Gestalter um Peter Schreyer in Frankfurt zeichneten und für die neue Generation behutsam weiterentwickelten. Optisch unterscheidet sich der neue Optima durch die weit in die Seiten gezogene Scheinwerfer, größere Stoßfänger sowie auffälligere seitliche Lufteinlässe vom Vorgänger. Der Dieselmotor wurde mit viel Know-how aus dem Rüsselsheimer Entwicklungszentrum gefüttert, und das Interieur ist ebenfalls ausgereift. Der Optima ist also eigentlich gar kein echter Koreaner, sondern in Europa entstanden.

Der Knackpunkt ist vielleicht der noch fehlende Kombi. Das Problem soll nächstes Jahr gelöst werden. Und ein bisschen mehr Auswahl bei den Motoren dürfte die Kia-Mittelklasse auch haben – der auf 104 kW erstarkte 1,7-Liter-Diesel ist womöglich doch etwas dünn. Zwar gibt es noch einen zwei Liter großen Benziner mit 120 kW, doch der Selbstzünder dürfte den Ansprüchen der meisten Kunden in diesem Segment schon ziemlich nahekommen.

Proberunden mit dem Diesel-Optima zeigen akzeptable Fahrleistungen, auch wenn der kultiviert laufende Motor den Puls des Fahrers natürlich nicht höher schlagen lässt. Die Elastizität geht in Ordnung, man kann den Selbstzünder schaltfaul fahren angesichts 340 Nm Drehmoment ab 1.750 Umdrehungen pro Minute. Die sechs Gänge rasten auffällig leichtgängig ein, der Schalthebel schmeichelt außerdem der Hand.

Für Automatikfans haben sich die Techniker etwas einfallen lassen: Die klassische Wandlerautomatik wurde analog zum Kia Cee’d durch ein siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe ersetzt. Nur ganz Penible werden diese Art der Kraftübertragung spüren – allenfalls die Anfahrcharakteristik verrät die Lamellenkupplung. Die Automatik schaltet geschmeidig, selbst unter plötzlich einsetzender Volllast arbeitet der Antrieb nicht ruckartig.

Kia gibt den gemittelten Verbrauch nach dem Normzyklus NEFZ mit 4,2 Litern je 100 Kilometer an. Mit der Automatik sind es 0,2 Liter mehr, das ist fast zu vernachlässigen. Das verkaufsfördernde Effizienzlabel A+ ist jedenfalls gesichert.

Viel Platz für die Mitfahrer

Erfreulicherweise punktet der 4,86 Meter lange Optima auch durch innere Werte. Der Radstand ist gegenüber der bisherigen Generation um zehn Zentimeter auf 2,81 Meter gewachsen. Dadurch ist der Fond nun richtig luftig – dabei hatte auch der Vorgänger nicht mit Raum gegeizt. Den Konstrukteuren ist es gelungen, die Inneneinrichtung gediegen aussehen zu lassen, ohne einen überkandidelten Eindruck zu vermitteln. Die sanft geschwungene Wulst im Armaturenbrett geht als Designkniff durch; das Material, ein geschäumter Kunststoff, fühlt sich gut an. Es war klug, auf künstlich wirkende Holzintarsien zu verzichten. Die braucht dieses Segment nicht, so wirkt es ehrlich.

Zwischen den klassischen Rundskalen gibt es eine kleine TFT-Fläche: Hier werden die Verbrauchswerte ebenso dargestellt wie Fahrempfehlungen. Technik-Freaks wünschen sich vielleicht etwas mehr Elektronik, doch pragmatisch ist das Gebotene allemal.

Der Hersteller bietet dem Käufer allerdings zahlreiche Assistenten an, die in der Praxis auch gut funktionieren. So arbeitet der aktive Tempomat beflissen, vollzieht seine Bremsungen außerdem sanft. Die aktive Lenkung hält den Wagen sauber in der Spur, ohne ihn wie ein Pendel zwischen den Markierungen hin- und herschwingen zu lassen – bis die Elektronik zur Übernahme des Lenkrads mahnt. Mit einer weiteren optionalen Assistenz erkennt der Optima Fußgänger, sollten die plötzlich vor dem Auto auftauchen. Es bremst dann notfalls selbstständig.

Geregelte Dämpfer lassen dem Fahrer ab sofort die Wahl, ob er lieber komfortabel oder sportlich unterwegs ist. Aber ein Auto, mit dem man um die Ecken preschen müsste, ist der Optima ohnehin nicht, wenngleich er einen sauberen Strich fährt. Kia selbst sieht den Optima allerdings auch mit dynamischen Qualitäten: Die bereits auf der IAA gezeigte GT-Version wird kommen und mit mehr als 250 PS ein Zeichen setzen.

Auch als Plug-in-Hybrid wird es den Optima nächstes Jahr geben. Zudem arbeitet Kia an einem doppelt aufgeladenen Dieselmotor, der weit mehr als 200 PS leisten soll. Begleitend dazu wird es dann auch eine gänzlich neue Plattform geben. Fazit: Der neue Optima sieht schick aus, ist geräumig, gut verarbeitet und bietet ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Zum Start im Januar 2016 ist das Motorenangebot aber noch dürftig.

Technische Daten

Motorbauart: 1,7-Liter-Dieselmotor, vier Zylinder
Leistung: 104 kW (141 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 10,0 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h
Normverbrauch: 4,2 Liter je 100 Kilometer
CO2-Emission: 110 g/km
Effizienzklasse: A+
Preis: ab 29.990 Euro

Motorbauart: 2,0-Liter-Benzin-Saugmotor, vier Zylinder
Leistung: 120 kW (163 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 9,4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Normverbrauch: 7,4 Liter je 100 Kilometer
CO2-Emission: 173 g/km
Effizienzklasse: D
Preis: ab 24.990 Euro