Autos stören das Stadtbild. Sie blasen gesundheitsgefährdenden Feinstaub in die Luft, und sie nehmen Fußgängern den Platz weg. Daher setzen zahlreiche Städte und Kommunen auf drastische Maßnahmen gegen den wachsenden Fahrzeugverkehr – allen voran Peking, wo die Megastaus nicht nur mit Zulassungslotterien, sondern auch mit Fahrverboten bekämpft werden. Der Zwangsstopp richtet sich nach der letzten Ziffer auf dem Kennzeichen: An manchen Tagen dürfen nur Autos mit gerader, an anderen nur solche mit ungerader Zahl fahren.

Doch auch in Europa gewinnen Aktionen, die den Autoverkehr einschränken sollen, an Popularität. Hier sind die fünf größten Städte mit solchen Plänen.

Madrid (3,17 Millionen Einwohner)

"Fußgänger zuerst!", heißt es in Madrid seit rund zwei Jahren: In bestimmten Bezirken der spanischen Hauptstadt dürfen nur noch Anwohner oder Inhaber einer Parkberechtigung fahren. Aktuell umfasst das Sperrgebiet rund 3,5 Quadratkilometer – etwa die Größe des Central Park in New York. Künftig soll das Gebiet noch einmal um rund ein Viertel wachsen. Parallel zum Aussperren von Pkw soll die Zahl der Buslinien ausgebaut werden. Autos sollen möglichst aus dem Stadtzentrum verschwinden.

Paris (2,24 Millionen Einwohner)

Frankreichs Hauptstadt hat gute Erfahrungen mit kurzfristigen Fahrverboten. Die erste Auflage im Frühjahr 2014 hat die Luft- und Lebensqualität deutlich verbessert. Damals durften keine Autos fahren, deren Nummernschild mit einer ungeraden Zahl endete. Im September 2015 wiederholte die Stadtverwaltung die Aktion. Künftig soll es das regelmäßig erfolgen. Die Pläne der sozialistischen Bürgermeisterin Anne Hidalgo gehen jedoch noch weiter. Für 2020 sind ein generelles Verbot von Dieselautos und die Beschränkung der Fahrterlaubnis auf Anwohner und Lieferanten in bestimmten Vierteln angedacht.

Mailand (1,32 Millionen Einwohner)

Die zweitgrößte Stadt Italiens will ihr historisches Zentrum langfristig zur kompletten Fußgängerzone machen. Starten will die Stadtverwaltung zunächst mit der Piazza della Scala vor dem weltberühmten Opernhaus. Dann sollen weitere Plätze folgen und langsam zu einer Riesen-Fußgängerzone zusammenwachsen. Dadurch soll auch die Schönheit der Stadt neu erstrahlen, die sich in der ästhetischen Wahrnehmung oft im Schatten anderer italienischer Metropolen wähnt. Bei der Umsetzung sollen die guten Erfahrungen helfen, die man bereits mit der Stadtmaut und Fahrverboten für alte Autos gesammelt hat.

Brüssel (1,14 Millionen Einwohner)

Die belgische Metropole, Europas inoffizielle Hauptstadt, zählt auf dem Kontinent zu den stauträchtigsten. Die Kommune plant daher, einen der zentralen Boulevards komplett für den Autoverkehr zu sperren. Dadurch würde eine der wichtigsten Achsen in der Innenstadt rund um den zentralen Grote Markt/Grand-Place zur Fußgängerzone. Ob das Vorhaben durchdacht ist, ist umstritten. Kritiker befürchten eine Verlagerung des Verkehrs auf andere Straßen – und in der Folge noch mehr Staus.

Oslo (rund 640.000 Einwohner)

Schon 2019 sollen keine privaten Pkw mehr in der Innenstadt  der norwegischen Hauptstadt fahren dürfen. So zumindest sehen es noch nicht weiter bekannte Pläne der Verwaltung vor. Im Gegenzug soll der öffentliche Nahverkehr ausgebaut und das Radwegenetz verbessert werden. Kritik gibt es wie in allen genannten Städten vor allem von den örtlichen Händlern: Sie befürchten Umsatzeinbußen, wenn die Kundschaft nicht mehr direkt am Geschäft parken kann. Studien legen aber auch eine gegenteilige Sichtweise nahe. Vor allem in den USA haben Städte gute Erfahrungen mit den dort erst seit Kurzem populären Fußgängerzonen gemacht: Häufig lassen die Leute sogar mehr Geld in Restaurants, Boutiquen und Bars als zuvor.