Diese Rechnung hat freilich nur theoretischen Charakter. Von dem Geld, das nach Abzug von Steuern, Solidaritätszuschlag, Krankenkassen- und Rentenbeitrag übrig bleibt, müssen ja auch noch Miete, Strom, Lebensmittel und andere wichtige Dinge des täglichen Lebens bezahlt werden. Der Autokauf rückt tatsächlich in noch weitere Ferne – oder bleibt sogar für immer nur ein Wunschtraum.

"Für die meisten Haushalte reicht es nur zu einem Gebrauchtwagen", berichteten die Fachleute des Statistischen Bundesamts 2009 nach ihrer landesweiten Erhebung Zuhause in Deutschland. Die Folge: Der Privatkundenmarkt im Neuwagengeschäft bricht zusehends zusammen. Nur noch 34 Prozent der fabrikneuen Autos wurden im vergangenen Jahr von privaten Käufern zugelassen – 2014 waren es 36 Prozent, vor zehn Jahren sogar über 46 Prozent.

Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) haben nur noch wenige Autohersteller mehrheitlich private Kunden unter ihren Neuwagenkäufern. Es sind vor allem Marken mit erschwinglichen Modellen, wie die Statistik für 2014 zeigt: Dacia (84 Prozent), Chevrolet (81,6 Prozent), Suzuki (60,4 Prozent). Bei deutschen Fabrikaten liegt der Anteil privater Käufer hingegen nur zwischen 24,8 (Opel) und 40,2 Prozent (Mercedes-Benz).

Gebrauchtwagen, quasi neu

An wen verkaufen die Autohersteller ihre Neuwagen überhaupt noch? Der Blick in die KBA-Statistik verrät, dass Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes und Dienstleistungsbetriebe zu den wichtigsten Autokunden zählen. Sie bestellen in Deutschland jährlich zusammen rund 700.000 der insgesamt drei Millionen Neuwagen. Mehr als eine Million Autos liefert die Automobilindustrie aber an den Handel und an Mietwagenfirmen – und damit überwiegend an sich selbst. Denn darunter sind auch die vielen Firmen-, Geschäfts-, Vorführ- und Testwagen, die die Autohersteller und ihre Vertragshändler regelmäßig auf eigenen Namen zulassen.

Eine Analyse des Branchenmagazins Kfz-Betrieb ergab, dass Produzenten, Importeure und Händler auf diese Weise von Januar bis Oktober 2015 über 810.000 Neuwagen zugelassen haben, fast ein Drittel aller Neuzulassungen in diesem Zeitraum. Nur wenige dieser Autos dienen jedoch wirklich dem Eigenbedarf, sondern gelten vielmehr als "taktische Zulassungen", mit denen die Firmen die amtliche Statistik frisieren und ihren Marktanteil schön rechnen.

Mit insgesamt rund 386.000 Neuwagen waren Volkswagen, Opel, Audi und Mercedes-Benz laut Kfz-Betrieb die Spitzenreiter bei den Händler- und Werkszulassungen. Diese Automarken "verkauften" bis Oktober 2015 zwischen 25 und 31 Prozent ihres Inlandsabsatzes an sich selbst oder ihre eigenen Vertriebsorganisationen.

Verboten sind solche Zulassungstricks nicht. Sie decken aber auf, in welchem Dilemma die Autofirmen inzwischen stecken und wie sie ihre eigene Preispolitik konterkarieren: Neuwagen, die für Normalbürger unbezahlbar geworden sind und deshalb unverkauft auf Halde stünden, werden als Eigenzulassungen auf die Straßen gebracht, um sie ein paar Wochen später als billigere Gebrauchtwagen verkaufen zu können. Ob diese seltsame Rechnung aufgeht?