Es gehört viel Glück dazu, im Straßenverkehr ein Elektroauto zu Gesicht zu bekommen. Derzeit sind in Deutschland nur magere 29.500 unterwegs. Das heißt, auf 10.000 Pkw kommen etwa sieben Autos, die nur mit Strom fahren. Autos, in denen Diesel oder Benzin verbrannt wird, machen immer noch 98 Prozent aller Pkw aus.

Dieses Bild soll sich möglichst rasch ändern, in vier Jahren sollen eine Million Elektroautos zugelassen sein. Von ihrem Ziel ist die Bundesregierung aber noch weit entfernt. Immer mehr Experten bezweifeln, dass es überhaupt noch zu schaffen ist. Deshalb erwägt Berlin eine Kaufprämie, um mehr Bürger überzeugen, ein Elektroauto zu kaufen.

Es gibt gute Gründe für mehr Elektroautos auf deutschen Straßen. Vor zwei Wochen erst appellierte die Stadt Stuttgart an ihre Einwohner und die Pendler aus dem Umland, doch bitte ihr Auto stehen zu lassen, weil in der Landeshauptstadt – vor allem an der Messstation Neckartor im Zentrum – die Belastung durch Feinstaub und Stickstoffoxide hoch ist und dort sehr viel öfter als erlaubt die EU-Grenzwerte überschritten werden. Einen Hauptanteil daran trägt der motorisierte Straßenverkehr.

Keine gesicherten Belege, dass Kaufprämie hilft

Das Neckartor ist kein Einzelfall. Laut Umweltbundesamt werden an vielen verkehrsnahen Messstellen in Städten die EU-Limits zu oft gerissen. Elektroautos könnten die Luftverschmutzung extrem reduzieren, weil sie keine Abgase produzieren. E-Autos wären selbst dann von Vorteil, wenn sie mit Energie aus dem aktuellem deutschen Strommix, also mit Kohlestromanteil, betrieben würden – weil die Emissionen bei der Stromerzeugung anfallen, nicht bei der Fahrt am Neckartor, an der Landshuter Allee in München oder auf dem Clevischen Ring in Köln-Mülheim.

Elektroautos haben also einen gesellschaftlichen Nutzen. Diesen direkt zu fördern, kann politisch Sinn ergeben. Am Dienstagabend berät Kanzlerin Angela Merkel mit den Chefs von Volkswagen, Daimler und BMW im Kanzleramt über eine Subvention an Käufer eines E-Autos. Medienberichten zufolge will die Regierung, dass die Autohersteller sich am Förderprogramm beteiligen. Dieser Ansatz ist sinnvoll, damit die Kaufprämie nicht wie ein Geschenk an die finanziell gut ausgestatteten Konzerne wirkt.

Nur: Was bringt die Maßnahme?

Zunächst einmal gehen die Planungen zu weit. Die Kaufprämie soll nicht nur Käufern von reinen Elektroautos zugute kommen, sondern auch jenen, die sich ein Auto mit Plug-in-Hybridantrieb anschaffen. Die helfen zwar dabei, dass man bei leerem Akku nicht stehenbleibt, sondern mit Benzin weiterfahren kann. Tatsächlich sind viele Plug-in-Hybridautos aber so konstruiert, dass die Strecken, die man rein elektrisch zurücklegen kann, so gering sind, dass der Fahrer am Ende doch wieder viel CO2 und Feinstaub in die Luft bläst – der Umweltnutzen, um den es eigentlich gehen soll, ist somit gering.

Wenn die Regierung also Plug-in-Hybride einbezieht, konterkariert sie das Ansinnen, den Straßenverkehr "grüner" zu machen. Sie fördert damit vor allem PS-starke Limousinen und SUVs, die den Elektromotor nur als Feigenblatt enthalten.

Bezweifelt werden darf auch, dass eine Kaufprämie den Verkauf von Elektroautos wirklich erhöht. Befürworter verweisen gern auf die Erfolge in Norwegen: Dort erlässt der Staat auf Elektroautos die hohe Registrierungs- und Mehrwertsteuer. Heute haben rund 18 Prozent der verkauften Autos in Norwegen einen Elektromotor. Doch es gibt auch Gegenbeispiele: Obwohl die britische Regierung Käufern eines E-Autos bis zu umgerechnet 7.000 Euro dazugibt, machen diese Fahrzeuge bei den Neuzulassungen weiterhin nur wenige Prozent aus.

E-Autos werden bald von sich aus attraktiver

Die jetzt in Deutschland diskutierte Kaufprämie von 5.000 Euro würde den Preis für Elektroautos nicht so weit senken, dass sie wirklich konkurrenzfähig würden. So kostet zum Beispiel der Volkswagen eGolf mindestens 34.900 Euro – selbst bei 29.900 Euro wäre er noch um die 10.000 Euro teurer als ein vergleichbarer Golf mit Benzinmotor. Der höhere Kaufpreis wird zwar im Lauf der Jahre amortisiert, weil die Stromkosten günstiger sind als die Benzinkosten. Das gilt selbst aktuell bei den niedrigen Kraftstoffpreisen. Doch die Differenz ist in den vergangenen Wochen deutlich kleiner geworden, es dauert also länger, bis sich die teurere Anschaffung rechnet.

Viele glauben auch nicht daran, dass der höhere Preis des E-Fahrzeugs durch mehr Komfort oder bessere Fahrleistungen gerechtfertigt ist. Im Gegenteil: Es ist vor allem die erheblich geringere Reichweite, verbunden mit langen Ladezeiten, die Autokäufer vom Stromer abhält. Wer genügend Geld hat, um sich für mehr als 80.000 Euro einen Tesla zu kaufen, den interessieren die Nachteile und erst recht die Dauer der Amortisation vermutlich nicht. Der braucht dann aber auch keine 5.000 Euro staatliche Beihilfe – wer jedoch nicht das Geld für einen Luxus-Stromer hat und ein Auto für den Alltag braucht, kann heute nur aus Elektromodellen wählen, die immer noch relativ teuer sind und gegenüber herkömmlichen Autos Nachteile haben.

Es fehlt ein ganzheitliches Konzept

Das Gute ist: Dabei wird es nicht bleiben. Die Batterieforschung macht große Fortschritte, die Zulieferer versprechen schon in wenigen Jahren deutlich leistungsfähigere Akkus zu geringeren Preisen. Sprich: Elektroautos werden schon bald günstiger werden und zugleich mit einer Akkuladung weiter kommen. Wenn zugleich die Infrastruktur mit Schnellladestationen ausgebaut und ein ausreichend dichtes Ladesäulennetz geschaffen wird, steigt die Attraktivität der Fahrzeuge auf ein Niveau, dass es am Ende gar keine Kaufprämie mehr braucht.

Die Politik sollte statt einer Kaufprämie über eine indirekte Förderung nachdenken. Indem sie die unsinnige Dieselsubventionierung streicht und Benzin teurer macht: Wer die Verschmutzer bestraft, macht damit gleichzeitig die saubereren Alternativen attraktiver. Und schließlich werden strengere Abgasgrenzwerte Elektroautos automatisch pushen, weil sie bei der Berechnung, ob ein Autohersteller die Vorgaben einhält, mit null Emissionen einfließen. Senkt man eine Obergrenze, steigt der Druck auf die Autobauer, mehr E-Autos an den Kunden zu bringen.

Dass die Regierung aber ausgerechnet strengere Grenzwerte in Brüssel regelmäßig torpediert und an der niedrigeren Besteuerung des umweltschädlichen Diesels festhält, belegt das geringe Interesse an einem wirklich nachhaltigen Straßenverkehr. Da ist auch eine Kaufprämie nicht mehr als ein grünes Mäntelchen.