Mitte April 1964 gab es ordentlich etwas auf die Ohren. Am 16. brachten die Rolling Stones ihre erste Langspielplatte in Großbritannien auf den Markt – innerhalb von 14 Tagen waren 150.000 Stück verkauft. Eine Sensation! Am Tag darauf stellte Ford in New York sein Modell Mustang vor. Abends waren 22.000 Amerikaner stolze Besitzer eines Wildpferdes auf vier Rädern. Eine weitere Sensation, weil auch mit diesem Erfolg niemand gerechnet hatte.

Beide – die Stones und der Mustang – haben die Zeit danach geprägt. Seit mehr als 50 Jahren. Heute sind sie Ikonen. I Can't Get No Satisfaction macht immer noch Gänsehaut und der Mustang mit dem souveränen blubbernden Sound des V8-Motors zieht bis heute die Blicke auf sich. In Europa musste man den Wagen jahrzehntelang über Importeure beziehen. Die sechste Generation der Sportwagenlegende bietet Ford erstmals offiziell auf dem Kontinent an.

Die ersten Mustangs waren weiße Cabriolets mit rotem Interieur. Klar, dass der aktuelle Testwagen deshalb ein Convertible sein muss, zumal in diesen Tagen die Oben-offen-Saison beginnt. Blau steht dem Mustang gut, das Stoffdach ist schwarz, ebenso die Ledersitze. Schon im Stand macht das Auto einen starken Eindruck: wuchtige Radhäuser, ausladende Seitenschweller, breite Kotflügel. Ein Muskelpaket auf dicken Walzen.

Drei von vier Käufern nehmen den V8-Motor

Der Neue trägt zudem die traditionellen Charakterzüge des klassischen Mustang: das Haifischmaul vorne und die drei geteilten Lichter hinten, unverwechselbare eindeutige Insignien des Urponys. Angeboten wird das Auto als zweitüriges Coupé und als Cabriolet, mit einem 2,3 Liter großen Vierzylinder-Turbo oder einem 5,0-Liter-V8-Saugmotor. Dass unser Testwagen mit dem einzig passenden Triebwerk ausgerüstet ist, muss eigentlich nicht erwähnt werden – Mustang und V8 gehören zusammen wie Mick Jagger und Keith Richards.

Die Ankündigung, dass Ford seinen Klassiker auch in einer europäischen Version anbieten wird, hat im vergangenen Jahr einen Kaufrausch ausgelöst. Seitdem wurden 4.900 Mustangs in Deutschland verkauft, ausgeliefert wurden die Autos ab dem dritten Quartal 2015. Etwa ein Drittel der Käufer wählte das Cabriolet, gut drei Viertel den V8, mit dem der Mustang den Zusatz GT erhält.

Der europäische Mustang hat gegenüber der amerikanischen Variante unter anderem eine modifizierte Fahrwerksabstimmung und eine für europäische Fahrverhältnisse angepasste Abstimmung des ABS und der Stabilitätskontrolle. Das verbessert Handling und Fahreigenschaften. "In Deutschland, dem Land ohne Tempolimit, wird ein Fahrwerk für hohe Geschwindigkeiten erwartet", sagt Isfried Hennen, der bei Ford in Köln die Produktkommunikation leitet. So wird das Auto wettbewerbsfähig. Und tatsächlich: Der neue Mustang ist stabil, selbst um die Kurven und im schnellsten Tempo. Gebaut wird der Wagen in Flat Rock, Michigan, USA.