Die Deutsche Bahn will die bei Bahnreisenden sehr unbeliebte Ansage "Der Zug verkehrt heute in umgekehrter Wagenreihung" abschaffen. Das sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube der Neuen Osnabrücker Zeitung. Für dieses Ziel sollen "mit großem finanziellen Aufwand" die Informationen für Reisende grundlegend verbessert werden.

Unbeliebt ist die Durchsage auf Bahnhöfen, weil sie meist ein Durcheinander am Bahnsteig und Verspätungen nach sich zieht. Reisende, die auf den betroffen Zug warten, bekommen diese Information mit der Ansage oft erst sehr kurzfristig, meist bei Einfahrt des Zuges. Daraufhin müssen diejenigen, die ganz vorn einsteigen wollten, ans andere Ende laufen – und umgekehrt.

Wie genau die Abschaffung der "umgekehrten Wagenreihung" funktionieren soll, erklärte Grube in dem Interview nicht. Also, ob die Ansage entfällt oder durch andere Hinweise ersetzt wird. Auch ein Unternehmenssprecher wollte sich gegenüber ZEIT ONLINE nicht zu den Details äußern. Es gebe dazu ein Projekt, dessen Ergebnisse im Laufe dieses Jahres vorliegen würden, erst dann könne man mehr verraten.

So lässt sich nur spekulieren, was hinter den Plänen steckt. Die Ansage nur anders zu formulieren, erscheint unwahrscheinlich. Schließlich bräuchte es dafür nicht eine solche Ankündigung des Bahn-Chefs und erst recht kein größeres Projekt.

Eine Lösung könnte sein, das Problem der umgekehrten Wagenreihung gar nicht erst auftreten zu lassen. Dafür müsste die Bahn sicherstellen, dass die Züge immer in der geplanten Ausrichtung in den Bahnhof einfahren. Doch das ist im täglichen Betrieb kaum möglich. So kann es im laufenden Betrieb etwa passieren, dass ein Zug den Kopfbahnhof in Frankfurt wegen einer Störung dort nicht anfahren kann. Entsprechend hat der Zug nicht wie vorgesehen die Fahrtrichtung dort ändern können. Das bedeutet, dass er auf seinem weiteren Weg verkehrt herum fährt – die Wagenreihung ist damit umgekehrt.

Denkbar ist, dass die Bahn die Informationen auf anderen Wegen weitergibt. Der bisherige Wagenstandsanzeiger als Plakat auf den Bahnsteigen könnte durch einen digitalen ersetzt werden.

Zudem bekommt der Reisende eine grobe Information über die Position der ersten und zweiten Klasse auf den Anzeigetafeln, die über den Bahnsteigen hängen und den nächsten Zug anzeigen. Wäre diese Anzeige und der Wagenstandsanzeiger mit aktuellen Informationen bespielbar, dann gäbe es keinen Bedarf mehr für die Ansage "umgekehrte Wagenreihung". Sobald ein Zug ungeplant die Fahrtrichtung ändert, sieht man das frühzeitig an allen Bahnhöfen, die er noch anfahren wird. Aber da die Bahn sich derzeit nicht zu Details äußern will, ist das reine Spekulation.