Lesson Nine revolutioniert mit einer innovativen Idee den Markt fürs Sprachenlernen: Über eine App für Tablets und Smartphones bietet das junge Unternehmen interaktive Sprachkurse namens Babbel im Internet an. Doch Lesson Nine ist auch darin kreativ, seine Mitarbeiter zu motivieren – und gleichzeitig damit Werbung fürs Firmenprodukt zu betreiben: Jeder Mitarbeiter bekommt auf Wunsch ein eigenes Babbel-Fahrrad.

Es ist in der Firmenfarbe Orange lackiert und trägt das Firmenlogo. Die Fahrräder sind von bester Qualität, dürfen privat benutzt werden und werden regelmäßig auf Kosten von Lesson Nine professionell gewartet. Für Mitbegründer Markus Witte sind die Räder Anerkennung und Dankeschön ans Engagement der Mitarbeiter. Außerdem, so Witte, passten die Räder zur Unternehmensphilosophie: Die baut auf Flexibilität und Aktivität der Beschäftigten. Auf die Idee kam Witte, als er morgens sah, wie viele mit dem Fahrrad ins Büro kamen.

"Es sind vor allem junge Medienunternehmen und Kreative, etwa aus der Werbung, die ihren Mitarbeitern Firmenfahrräder anbieten", sagt die Karriereberaterin Svenja Hofert. In etablierten Unternehmen herrscht der Firmenwagen vor. "Allerdings nimmt dessen Bedeutung ab: Die jüngere Generation verzichtet gerne auf das Statussymbol Auto, zeigt sich lieber ökologisch bewusst und fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit oder nutzt öffentliche Verkehrsmittel." Denn ständig im Stau zu stehen, motiviere niemanden.

Unternehmen könnten bei potenziellen Mitarbeitern eher mit zwei Heimflügen pro Monat punkten, wenn der Bewerber beispielsweise in Hamburg wohnt und in Stuttgart der neue Arbeitsplatz ist, sagt Hofert. "Solche Ideen kommen aber von den Bewerbern, nicht vom Unternehmen." Die gingen nach ihrer Erfahrung wenig kreativ mit dem Thema Mobilität und Arbeitsplatz um.

Der Dienstwagen ist faktisch eine Gehaltserhöhung

Vielleicht deshalb, bestimmt aber aus Tradition, sind Firmenwagen weit verbreitet: vor allem in Industrie und Handel. Ein Dienstauto fahren insbesondere Vertriebsmitarbeiter und Führungskräfte, daneben auch Fachkräfte aus den Bereichen Technik, IT und Personalwesen. Zu diesen Ergebnissen kam das Internetportal Gehalt.de im Herbst 2015 in der Studie Firmenwagenmonitor. Demnach verfügen Männer bis zu viermal öfter über einen eigenen Firmenwagen und haben im Schnitt ein höheres Budget dafür als Frauen.

Sowohl Verteilung als auch Preise von Firmenwagen steigen mit zunehmender Firmengröße signifikant an. 55 Prozent aller Firmenwagen stammen aus dem Volkswagen-Konzern und sind Autos der Marken VW, Audi und Škoda. Die Verfasser der Studie kommen schließlich zu der Erkenntnis: Kaum eine Nebenleistung in Deutschland ist stärker mit Emotionen verknüpft als Firmenwagen. Anders ausgedrückt: "Sag mir, was du fährst und ich sag dir, was du arbeitest." Der Firmenwagen ist Sinnbild für Macht und Einfluss seines Fahrers und Ausdruck für die Wertschätzung des Arbeitgebers für dessen Dienste.

Faktisch ist das Dienstauto eine Erhöhung des Gehalts. Für beide Seiten ist es ein lukratives Geschäft: Das Unternehmen zahlt weniger Lohnnebenkosten, der Mitarbeiter spart Lohnsteuer und Sozialabgaben, anderseits muss er keinen Privatwagen unterhalten.

Das Dienstwagenprivileg (siehe Kasten) gilt seit 2012 auch für Fahrräder. Diensträder und Dienstautos sind seitdem steuerlich gleichgestellt. Das nutzen Tausende Mitarbeiter, weil viele Firmen Diensträder anbieten: Bayer, Telekom und Allianz zum Beispiel. Und immer öfter sind Firmenräder E-Bikes.

Der Wunsch von Mitarbeitern nach einem Dienstwagen nehme aber ab, "weil das Auto als Statussymbol in der Gesellschaft an Bedeutung verliert", sagt Werner Wölfle, Bürgermeister der Stadt Stuttgart und zuständig für Allgemeine Verwaltung und Krankenhäuser. Flexibilität bei der Arbeitszeit und das Arbeitsklima seien heute viel wichtiger, sagt Wölfle. Rund 18.000 Mitarbeiter hat die Stadt Stuttgart.

Die Bürgermeister und manche Geschäftsführer der städtischen Gesellschaften haben zwar einen Dienstwagen, für alle anderen Beschäftigten stehen rund 220 Wagen und ebenso viele Räder für dienstliche Zwecke zur Verfügung. Das zentrale Instrument der Stadt Stuttgart, um die Mobilität der Mitarbeiter zu fördern, ist allerdings das Job-Ticket. 60 bis 70 Prozent aller Beschäftigten der Stadt sind laut Wölfle im Besitz einer Jahreskarte des öffentlichen Verkehrsverbunds. Der Arbeitgeber gibt monatlich einen Zuschuss von 28 Euro.