Daimler steht nicht nur in Deutschland unter Beschuss. In den USA reichten Besitzer von Bluetec-Dieselmodellen Anfang April eine Sammelklage wegen zu hohen Stickoxidausstoßes ein. Der Konzern beharrt dort jedoch wie in Deutschland darauf, keine unzulässige Technik eingebaut zu haben.

Das ist einer der Kernpunkte des Streits. Grundsätzlich erlaubt die einschlägige Regelung ein automatisches Abschalten der Abgasreinigung unter bestimmten Bedingungen – etwa um den Motor in bestimmten Fahrsituationen vor Schäden zu schützen. Daimler erläuterte, die Abgasnachbehandlung werde "in Abhängigkeit vom jeweiligen Betriebszustand innerhalb des zulässigen Rahmens flexibel geregelt, um den Motorschutz und den sicheren Betrieb des Fahrzeugs zu gewährleisten".

Einige Hersteller schalten allerdings schon bei Temperaturen knapp unterhalb der 20-Grad-Grenze ab. Das ist die Temperatur, die bei den offiziellen Labormessungen als untere Norm gilt. Auch oberhalb von 35 Grad ist die Abgasreinigung offenbar häufig nicht mehr aktiv. Sauberes Abgas gäbe es bei solchen Autos dann höchstens in den wenigen Frühjahrsmonaten.

Wie schwer es für die Hersteller sein dürfte, auffällig gewordene Fahrzeuge wieder sauber zu kriegen, zeigt das Beispiel Volkswagen. In Deutschland stockt die Rückrufaktion seit Wochen – offenbar gelingt es beim Mittelklassemodell Passat nicht, den Stickoxidausstoß zu reduzieren, ohne dass es zu einem Mehrverbrauch kommt. Das KBA zumindest verweigert nach wie vor die Freigabe für die Umrüstung.

Autobauer brauchen den Diesel

Zu allem Überfluss sorgt nun auch noch die Diskussion um eine blaue Umweltplakette für Verdruss unter Dieselkäufern und -fahrern. Schlimmstes denkbares Szenario für die Halter: Selbst vor kaum einem Jahr gekaufte Modelle könnten in einigen Innenstädten bald Fahrverbote erhalten.

Ganz so schnell wird das Ende des Dieselmotors aber nicht kommen. Für die Autohersteller spielt der sparsame Antrieb eine große Rolle bei der Erreichung künftiger CO2-Obergrenzen. Sie werden deshalb um die Zukunft des Selbstzünders kämpfen. Zumindest so lange, bis es ausreichend Alternativen an Elektro-, Wasserstoff- oder Hybridmodelle gibt.

Außerdem ist Diesel ein zwingendes Nebenprodukt bei der Benzinherstellung. Solange es an der Tankstelle Super gibt, wird also auch der Diesel irgendwo verbrannt werden müssen – auch in Dieselfahrzeugen.

Elektroautos - Das ist Teslas Model 3 Der US-Autohersteller will mit seinem neuen Wagen den Massenmarkt erobern: Das Auto soll ohne Optionen umgerechnet nur 31.000 Euro kosten und ab Ende nächsten Jahres erhältlich sein.