Oft führen benutzungspflichtige Radwege an parkenden Autos vorbei. Radfahrer befinden sich in einem Dilemma: Fahren sie zu dicht daran vorbei, gefährden sie sich selbst, denn ein im Auto sitzender Fahrer könnte die Wagentür öffnen, ohne sich vorher umzusehen. Halten die Radfahrer sich aber zu weit links, behindern sie möglicherweise den Verkehrsfluss. Wie verhalte ich mich in solchen Dooring-Zonen korrekt und haftungsrechtlich einwandfrei?, fragt ZEIT-ONLINE-Leser Klaus Sebaldt.

Die Rechtslage lässt keinen Zweifel: "Radfahrer müssen grundsätzlich möglichst rechts mit einem Abstand von rund 75 Zentimetern zu Gehwegen fahren oder auf den vorhandenen rechts liegenden Rad- oder Seitenwegen", sagt die Verkehrsjuristin Bettina Löblein.

Dabei sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass Fahrzeuginsassen beim Türöffnen auf den übrigen Verkehr und hierbei besonders auf Radfahrer achten. Deshalb dürfen Radfahrer darauf vertrauen, dass die Türen nicht unvorsichtig geöffnet werden. Passiert es trotzdem, dass Autofahrer oder Beifahrer die Türen unachtsam öffnen und Radfahrer gefährden, haften sie. "Der Kfz-Führer muss auf seine Beifahrer achten und sie entsprechend warnen", sagt Löblein. Tut er dies nicht, haften beide im Fall eines Unfalls gemeinsam.

Im dichten Straßenverkehr in Städten können Radfahrer nicht darauf achten, wie viele Personen in einem Wagen sitzen und ob jemand unbedacht die Tür öffnen könnte, erläutert die Anwältin. "Nur wenn der Radfahrer noch wahrgenommen hat oder wahrnehmen konnte, dass ein Auto gehalten hat, und dies an Orten, an denen das Fahrzeug verlassen werden könnte, darf er nicht mehr blind darauf vertrauen, dass die Tür nicht ein wenig geöffnet wird. Dann sollte er, zum Zweck des Selbstschutzes und wenn es die konkrete Verkehrslage zulässt, einen größeren Seitenabstand einhalten."

Aber welchen? "Die Antwort hängt von der konkreten Verkehrslage, Straßenbreite oder Verkehrsdichte ab", sagt Löblein. Ist der Abstand zu gering, kann dem Radfahrer bei einem Unfall ein leichtes Mitverschulden eingeräumt werden. "Das wird von der Rechtsprechung jedoch unterschiedlich gesehen", ergänzt die Verkehrsrechtsexpertin. Nikolas Linck vom Berliner Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) empfiehlt Radlern, lieber weiter links zu fahren, damit sie von Autofahrern auf jeden Fall gesehen werden.

"Werden Radfahrer auf Radwegen in Unfälle mit einem Kraftfahrzeug verwickelt, werden an der alleinigen Haftung des Kfz kaum je Zweifel bestehen", sagt Bettina Löblein. "Fährt ein Radfahrer auf einem hinreichend breiten Seitenstreifen oder Radweg, so müssen Kraftfahrer den normalen Abstand zum Rand einzuhalten. Dieser beträgt mindestens 50 Zentimeter, besser jedoch ein Meter."

Besonders in Großstädten steigen immer mehr Menschen auf das Fahrrad um. Fehlen komfortable Radwege, steigt das Unfallrisiko. "Fahrfehler und Unfälle werden sich nie vermeiden lassen", gibt die Juristin zu bedenken. "Jeder Radfahrer sollte über eine Unfallversicherung nachdenken, die bei schweren Verletzungen unabhängig von der Haftung und Zahlung der gegnerischen Versicherung Leistungen wie beispielsweise eine Invalidenrente gewährt." Löblein kritisiert, dass die Rechtsprechung bei Unfällen zwischen Kraftfahrzeugen und Radfahrern bei einem schweren Verschulden des Radfahrers die Gefahr, die von einem Kraftfahrzeug aufgrund seiner Größe und Masse ausgeht, oft völlig unberücksichtigt lässt.