Vielerorts wurde die Benutzungspflicht für Fahrradwege aufgehoben und das entsprechende Verkehrszeichen abmontiert. Es sind dann nur separate Streifen auf dem Bürgersteig, von diesem kaum zu unterscheiden. Darf man sie als Radfahrer überhaupt noch benutzen?, möchte ZEIT-ONLINE-Leser Bernhard Gill wissen.

Ohne Verkehrsschild, das den Weg als Radweg ausweist, ist er auch keiner? So einfach ist es leider nicht. Die Straßenverkehrsordnung (StVO) liefert eine präzisere Erklärung. Paragraf 2, Absatz 4 legt fest, dass es benutzungspflichtige Radwege gibt, die mit blauen Schildern gekennzeichnet sind, und Radwege ohne diese Zeichen. "Auf rechts verlaufenden Radwegen ohne Radwegschilder darf man Rad fahren, man muss es aber nicht", stellt Roland Huhn, Rechtsreferent beim Bundesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), klar. Wichtig: Erst das Verkehrsschild aus Metall macht den Radweg benutzungspflichtig, nur ein auf die Radspur gemaltes Fahrradsymbol nicht.

Bleibt die Frage: Woran erkennt man sie sonst – beschildert sind sie ja nicht?

"In vielen Städten sind die Radwege farbig gekennzeichnet, beispielsweise rot gepflastert, im Unterschied zum grauen Gehweg. Oder Rad- und Gehweg verlaufen nebeneinander auf dem Bürgersteig und sind baulich durch eine Kante getrennt; das ist wegen der Sturzgefahr aber eher ungünstig", erläutert Huhn.

Ungefährlicher für Radfahrer ist es, wenn die Trennung nur aus einer durchgezogenen weißen Linie besteht. "In aller Regel ist dann der näher an der Fahrbahn gelegene Teil der Radweg", sagt der Verkehrsrechtsexperte. "Ein sicheres Zeichen für einen Radweg entlang einer Vorfahrtstraße ist seine Weiterführung über eine Seitenstraße hinweg. Dazu wird mit unterbrochenen Linien rechts und links eine Furt markiert."

Verkehrsschild 240: Gemeinsamer Geh- und Radweg für Fußgänger und Radfahrer © Bundesanstalt für Straßenwesen

Das gilt für Rad- und Gehwege, die baulich, farblich oder durch eine weiße Linie voneinander getrennt sind. Manchmal ändern Kommunen aber auch den Verlauf von Radwegen. Aus einem ehemals gemeinsamen Geh- und Radweg wird durch Entfernen des Verkehrsschilds 240 ein Gehweg.

"Ein über seine gesamte Breite einheitlicher Bürgersteig ohne Beschilderung ist kein Radweg. Städte können den Bürgersteig aber durch das Verkehrszeichen 'Gehweg' in Verbindung mit dem Zusatz 'Radverkehr frei' für Radfahrer freigeben. Eine Benutzungspflicht entsteht auf diese Weise nicht", erklärt der ADFC-Jurist. Die StVO verlangt auf solchen für den Radverkehr freigegebenen Gehwegen vom Radfahrer allerdings, dass er Schrittgeschwindigkeit fährt.

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