Wann haben Sie zuletzt den Begriff Pampersbomber gehört? Schon länger her, oder? Das abfällig gebrauchte Wort ist mit der Gattung der braven Familienvans, die es bezeichnet, aus der Mode gekommen. Nicht etwa, weil Eltern ihre Sprösslinge nun in Kleinwagen stapeln oder Stammtische weniger gehässig geworden sind. Heute sind es die "Mutti-Panzer", Sie wissen schon, die bulligen SUVs, die vorzugsweise vor Schulen oder Kindergärten Verkehrschaos anrichten, um mal im Duktus zu bleiben.

Im Vergleich zu den boomenden SUVs wirken die Modelle des rückläufigen Van-Segments auf viele Autokäufer unmodern und bieder. Der in der zweiten Generation gebaute Ford S-Max macht wohl auch deshalb betont auf sportlich. Im zweiwöchigen Test offenbarte er aber sein wahres Ich – und das hat mit Sport nur am Rande zu tun.

Äußerlich lässt der S-Max an dynamischer Optik kaum zu wünschen übrig: Der trapezförmige Kühlergrillschlund, den die neuen Ford-Modelle tragen, steht ihm gut, die Silhouette wirkt gestreckt und macht nicht den Eindruck eines Van-typischen Kastens, und zum Heck hin fällt das Dach leicht ab. Dass der S-Max deutlich sportlicher erscheint als das 3.000 Euro teurere Schwestermodell Galaxy – ein klassischer "Pampersbomber" – liegt auch daran, dass er bei gleichem Radstand (2,85 Meter) und etwas weniger Länge (4,80 Meter) fast zehn Zentimeter niedriger ist.

Die Automatik mag's gemütlich

Eine etwaige Kritik an etwas geringerer Kopffreiheit wäre Klagen auf hohem Niveau, bieten doch sogar die beiden schmalen Plätze der optionalen dritten Sitzreihe für 950 Euro Aufpreis genug Raum, dass auch Erwachsene einigermaßen komfortabel eine längere Fahrt überstehen. Das liegt unter anderem daran, dass sich die zweite Sitzreihe verschieben lässt. Ist diese am weitesten nach hinten geschoben, genießen die Passagiere der zweiten Reihe eine Beinfreiheit, wie sie sonst nur in Oberklasse-Limousinen zu finden ist.

Die drei ausgeformten Sessel sind gleich groß und – für Familien mit mehr als zwei Kindern wichtig – haben auf allen drei Plätzen Isofix. Für Komfort auf den Rückbänken sorgt außerdem die dazu bestellbare Drei-Zonen-Klimaautomatik (400 Euro Aufpreis), die auch den Hinterbänklern durch Düsen im Dach je nach Wunsch temperierte Frischluft ins Gesicht pustet. Je nach Sitzkonfiguration hat der Kofferraum Platz für 285 bis 2.020 Liter Volumen. Blickt man vom Fahrersitz zurück, hat man fast den Eindruck, man zöge ein ganzes Wohnzimmer hinter sich her.

Dieser Eindruck verfestigt sich beim Tritt aufs Gaspedal. Der zwei Liter große Vierzylinder-Dieselmotor in unserem Testwagen – der zweitgrößte Selbstzünder in der Modellpalette – bietet 132 kW (180 PS) und 400 Newtonmeter Drehmoment, um die 1,8 Tonnen Leergewicht plus Insassen vorwärts zu bringen. Trotzdem ließ der "Max" von seinem "S" wenig spüren: Der Ford beschleunigt druckvoll, aber wenig dynamisch.

Die gemütlich schaltende Sechsgangautomatik trägt auch nicht dazu bei, dass der Fahrer Herzklopfen bekommt. Das Fahrwerk ist mehr komfortabel als straff abgestimmt, das macht den S-Max weniger zum Um-die-Ecke-Flitzer als zum Reisemobil für entspannte Fahrten auf der Autobahn. In der Stadt fühlt sich der Van dank adaptiver Lenkung dennoch nicht nach fast fünf Metern Länge an. Der Testverbrauch geht mit 7,4 Litern pro 100 Kilometern für ein Auto dieser Größe in Ordnung, liegt aber zwei Liter über den unter Laborbedingungen erzielten Herstellerangaben.