Mit beiden Händen lässig in den Shorts steht Marcel Hutfilz auf einem elektrischen Einrad und kurvt in coolen Schlangenlinien über das zum Übungsplatz umfunktionierte Gelände des früheren Flughafens Tempelhof in Berlin. Hutfilz reißt zwischendurch auch mal beide Arme hoch oder steht wie ein zum Flug abhebender Flamingo auf nur einem Bein auf dieser kleinen 25 km/h schnellen "Rennmaschine", wie er das Gefährt nennt.

Die "Rennmaschine" ist das mit zwei Trittbrettern ausgerüstete Monowheel E-400, und Marcel Hutfilz, ehemals Autoverkäufer, ist jetzt als Geschäftsführer der Berliner Firma Scooterhelden Spezialist für kompakte E-Mobilität. Er kennt alle Novitäten und fabriziert im Internet Testberichte über Hoverboards, Elektro-Scooter, E-Roller, Monowheels und andere Fahrzeuge. Das in eine Hartschale montierte Monowheel E-400 mit 1.500 Watt Motorleistung findet er faszinierend: "Das ist wirklich eine coole Nummer", sagt Hutfilz: "Sieht toll aus, ist solide mit einer großen Reichweite und leicht zu bedienen."

Das Beschleunigen und Bremsen funktioniert wie beim Segway durch Gewichtsverlagerung: Mit leichtem Neigen nach vorne wird das Tempo erhöht, ein Neigen nach hinten lässt das Monowheel bremsen. Mit sanft ausgeführten Bewegungen nach rechts oder links fährt man Kurven. Anfänger sollten für das Eingewöhnen rund zwei Stunden veranschlagen und für etwa zehn Minuten die Stützräder benutzen – und man sollte unbedingt Schutzkleidung tragen, rät Hutfilz.

"Viele Beamte müssen selber erst nachfragen"

Das handliche Einrad wiegt nur gut zwölf Kilogramm, es kann an einem Griff leicht getragen werden und erreicht mit einer Akkuladung bis zu 35 Kilometer. Abgesehen vom enormen Spaßfaktor, der auch jugendliche Skater anspricht, wäre das Vehikel – trotz des hohen Preises von rund 900 Euro – eigentlich das ideale Gerät für Pendler auf der sogenannten letzten Meile, die im trubeligen Verkehr schnell den Arbeitsplatz erreichen wollen.

Doch laut der Straßenverkehrsordnung darf man Monowheels ebenso wie E-Boards und ähnliche kleine E-Roller weder auf öffentlichen Straßen noch auf Gehwegen benutzen. Sonst kann das Gerät eingezogen und eine Geldbuße von mindestens 50 Euro erhoben werden. Sogar den Führerschein kann man bei Zuwiderhandlungen verlieren.

In ihren Testvideos erwähnen die Scooterhelden diese Regelung aber nicht. "Ich fahre regelmäßig den Kudamm rauf und runter und kurve durch die Stadt, ohne dass mich jemals ein Polizist behelligt hätte", sagt Hutfilz. "Die gesetzliche Lage ist auch nicht ganz klar, viele Beamte müssen selber erst nachfragen, was Stand der Dinge ist, weil E-Boards, Monowheels und andere nicht eindeutig eingestuft sind. Somit kann mich ein Beamter auch nicht entsprechend ahnden."

Dann holt der ehemalige Autoverkäufer aus und bezeichnet die offizielle deutsche Handhabung beim Umgang mit den neuartigen Flitzern als hinterwäldlerisch: "Es kann doch nicht sein, dass man den Kauf von Elektroautos staatlich subventioniert oder Senioren auf 45 km/h schnellen Pedelecs ohne Führerschein fahren lässt, aber E-Board- und Monowheel-Fahrer mit pedantischen Vorschriften bevormunden will. Andere Länder wie Norwegen, Frankreich oder die Schweiz sind da viel weiter und behindern diese kompakte Mobilität nicht."