Schmerzensgeld, Verdienstausfall, Kosten für die Haushaltsführung – wie sollten sich Geschädigte nach einem Unfall verhalten? Sollten sie selbst mit der gegnerischen Versicherung sprechen oder empfiehlt es sich, einen Anwalt zu beauftragen?

Ein Kellner steigt nach einem arbeitsreichen Abend auf sein Rad und fährt nach Hause. Auf der dunklen Landstraße streift ihn ein Geländewagen, er stürzt, der Unfallfahrer macht sich aus dem Staub. Die Suche nach dem Schuldigen entwickelt sich im Film Die süße Gier zum Thriller. Das bittere Ende des Films – der Tod des Radfahrers und die bescheidene Entschädigung für seine Familie – lassen die Zuschauer ratlos zurück.

Solche Erlebnisse bleiben hoffentlich allen erspart. Doch wer einen Unfall auf der Straße mit Schürfwunden, weichen Knien und einem lädierten Fahrrad glimpflich überstanden hat, fragt sich nach dem ersten Schock, welche Ansprüche er gegenüber dem Unfallverursacher hat.

"Der Geschädigte eines Verkehrsunfalls ist, ganz allgemein gesagt, finanziell so zu stellen, als wäre der Unfall nicht passiert", klärt Florian Schmidtke auf. "Da es regelmäßig diverse Schadenspositionen gibt, sollte er sich nicht selbst an die Versicherung wenden, sondern sich anwaltlicher Hilfe bedienen", rät der Verkehrsrechtsexperte. Denn einem Anwalt gelingt es meistens, alle diese Ansprüche geltend zu machen und auch durchzusetzen.

Das gilt schon bei bloßem Sachschaden, doch noch wichtiger ist es bei Personenschäden. "Hier kommt zu einem Schmerzensgeld möglicherweise auch ein Verdienstausfall oder ein entgangener Gewinn hinzu", sagt Schmidtke. "Auch für den Ausfall in der Haushaltsführung gibt es beispielsweise eine – teilweise selbst bei nicht auf Verkehrsrecht spezialisierten Rechtsanwälten gar nicht bekannte – Entschädigung."

Im Fachjargon nennt sich diese Forderung Haushaltsführungsschaden: eine Entschädigung dafür, dass sich die Person nicht selbst versorgen kann und Hilfe beim Einkaufen oder Kochen braucht.

Auch ein weiteres Argument spricht für professionelle Hilfe: Sämtliche Ansprüche müssen konkret berechnet und belegt werden. "Hierfür ist professionelle Hilfe dringend geboten", sagt Schmidtke. Die Anwaltskosten muss ein Geschädigter nicht aus der eigenen Tasche tragen, wie der Anwalt bereits in einer früheren Folge unserer Serie Gesetz der Straße erläuterte.