Die laufende Ausbesserung des teils maroden, 33.000 Kilometer langen Schienennetzes lässt Böses ahnen. Bis zu 850 Baustellen am Tag hat die Bahn für dieses Jahr in Aussicht gestellt. Grube selbst sieht im Baustellenmanagement "ein Manko".

Dennoch verspricht das Unternehmen in seiner "Vision" für 2020 "erstklassige Mobilitätslösungen" und einen "starken Fokus auf Kunden und Qualität". Im Aufsichtsrat wünscht man sich statt schöner Worte Ergebnisse: "Die Qualitätsoffensive ist aufgebauscht", sagte ein Mitglied dem Tagesspiegel. "Den Kunden ist es egal, ob 75 oder 80 Prozent aller Züge pünktlich sind – sie sehen nur, dass ihr eigener Zug Verspätung hat." Bahn-Chef Grube habe Erwartungen geweckt, die er nicht erfüllen könne.

Immerhin: Punktuell verbessert sich die Qualität. Spezielle Teams arbeiten, quasi als eine schnelle Eingreiftruppe, an einer größeren "Abfahrpünktlichkeit" an überlasteten Knotenpunkten wie dem Kölner Hauptbahnhof. Reparaturen in den Waggons, etwa defekte Toiletten oder Kaffeemaschinen, werden von mobilen Handwerkern schneller als früher erledigt. Der große Wurf, den Grube oft angekündigt hat – "die größte Kundenoffensive in der Geschichte der Bahn" – ist bis heute allerdings nicht gelungen.

Verliert der Aufsichtsrat die Geduld mit dem Bahn-Chef?

Klar ist: Grube möchte weitermachen, denn dann hätte er sich zehn Jahre auf dem Schleudersitz an der Bahn-Spitze gehalten, wie sein Freund und Vorgänger Hartmut Mehdorn. Sein Vertrag müsste aber noch in diesem Jahr verlängert werden. Grube gibt sich selbstbewusst: "Ich bin noch nie hinter meinem Vertrag hergelaufen", sagte er unlängst. Im Aufsichtsrat ist die Unzufriedenheit groß. "Grubes Ablösung ist aktuell aber kein Thema", wird versichert.

Sein Stellvertreter Volker Kefer (60) zieht sich indes zurück. Dem Vorstandsmitglied für Infrastruktur und Technik wurden eigentlich schon länger Ambitionen auf Grubes Nachfolge nachgesagt. Doch Kefer stand zuletzt am meisten unter Beschuss, weil er für Stuttgart 21, das Programm "Zukunft Bahn" und das Schienennetz verantwortlich ist. Der Aufsichtsrat werde nun eine Regelung zur Nachfolge treffen, teilte die Bahn mit. Bis dahin werde Kefer seine Aufgaben weiter wahrnehmen.

Kefers angekündigter Rückzug im Herbst 2017 verbessert nicht nur die Chancen auf eine Vertragsverlängerung für Grube. Auch Ronald Pofalla (57) könnte sich nun ins Spiel bringen. Der Ex-Kanzleramtsminister von der CDU ist seit Januar 2015 bei der Bahn, seit August Vorstand für Wirtschaft, Recht und Regulierung. Fragen zu seiner Rolle im Bahn-Poker beantwortet Pofalla nicht. Er weiß: Die letzten Machtfragen des Bahn-Konzerns werden ohnehin im Kanzleramt entschieden. Und Pofallas Draht dorthin ist immer noch sehr kurz.