Es war die Idee eines Genies. Als Steve Jobs vor rund 15 Jahren begann, über die Zukunft von Laptop und Mobiltelefon nachzudenken, hatte der Apple-Gründer statt der üblichen Tastatur nur eine schwarze Glasplatte vor Augen. Darauf sollten fast alle Funktionen zu bedienen sein, mit der Fingerspitze. Monatelang arbeiteten die Apple-Entwickler daran, die Vision ihres Chefs zu verwirklichen. Schließlich präsentierten sie ein berührungsempfindliches Display, das sogar mehrere Eingaben gleichzeitig verarbeiten konnte. Jobs sprach von der "Multi-Touch-Oberfläche" – und revolutionierte mit dieser Technik unseren Alltag.

Der einfache Fingertipp, um ein Programm zu starten, die schnelle Wischbewegung, um die Anzeige zu wechseln, oder das bequeme Scrollen durchs Telefonverzeichnis, das sind Fingerübungen, die vielen von uns längst in Fleisch und Blut übergegangen sind. Geräte, die noch Schalter und Regler besitzen, erscheinen wie Relikte aus einer anderen Welt.

Höchste Zeit also, dass auch die Autohersteller umdenken und sich von den altbewährten Knöpfen, Tastern, Reglern und Hebeln verabschieden. BMW und Mercedes machen den Anfang mit einer neuartigen Gestensteuerung für bestimmte Funktionen ihrer Luxuswagen. Bald soll Volkswagen folgen. Damit wäre diese Technik in der Großserie angekommen.

Eine Kamera in der Mittelkonsole erkennt typische Handbewegungen des Fahrers, der Computer wertet die Aufnahme aus und interpretiert blitzschnell die Wünsche des Menschen am Steuer. Der Autozulieferer Continental aus Hannover hat diese Kamera inzwischen ins Lenkrad integriert, sodass der Autofahrer Hand oder Finger nur kurz bewegen muss, um beispielsweise die Lautstärke des Autoradios zu regulieren, das Navi einzustellen oder einen Telefonanruf anzunehmen. So will man die Ablenkung weiter verringern.

Ein Blick aufs Telefonsymbol – und das Auto zeigt die Rufnummern

Geht es aber nach dem Willen der Forscher, sollen Autofahrer in Zukunft noch nicht einmal mehr die Hand bewegen, um Radio, Klimaanlage oder Bordcomputer zu steuern. Der nächste Trend läuft unter dem Begriff "Eye-Tracking": Kameras im Fahrzeuginnenraum sollen aufgrund der Blicke des Fahrers erkennen, was er wünscht. Das klingt zwar noch ein bisschen nach Science-Fiction, ist aber technisch offenbar bereits möglich. Die französische Firma Valeo spricht darüber schon seit gut zwei Jahren und soll mit ihrer Blicksteuerung nach eigenen Angaben kurz vor der Serienreife stehen.

Der Augenkontakt sei die direkteste Methode miteinander zu kommunizieren, heißt es im Valeo-Forschungslabor Comfort and Driving Assistance. Das, was zwischen Menschen möglich ist, soll folglich künftig auch mit dem Auto funktionieren. Zwei Kameras im Cockpit, die dank Infrarottechnik auch bei Dunkelheit Bilder liefern, schauen dem Autofahrer tief in die Augen und beobachten genau, wo er hinschaut.

Valeo will das Eye-Tracking mit einem Head-up-Display kombinieren, das Anzeigen und Symbole in eine Scheibe vor dem Fahrer projiziert. Ruht der Blick dort beispielsweise für eine gewisse Zeit auf dem Telefonsymbol, erscheint automatisch die Liste der gespeicherten Rufnummern. Nach einem weiteren Blickkontakt stellt das System die gewünschte Verbindung her.

Dass die Technik funktioniert, hat auch Mercedes-Benz bereits vorgeführt. Im Forschungswagen F 015 muss man nur ein bestimmtes Feld auf dem Display anschauen, und schon reagiert die Elektronik, indem sie ein weiteres Menüfenster öffnet und so die nächsten Bedienschritte vorbereitet. Die muss man dann allerdings per Geste oder Fingerzeig ausführen.