Chris Evans hatte die neue Staffel Top Gear, ohne den gefeuerten Jeremy Clarkson, im BBC-Fernsehen gerade einmal vier Wochen lang moderiert, da gab der durch seine Radiosendung Breakfast Show bekannt gewordenen Moderator auf: "Ich habe mein Bestes gegeben, aber das ist manchmal nicht gut genug", teilte der 50-jährige Evans mit.

Nicht nur die Publikumsreaktionen und das Medienecho waren extrem negativ ausgefallen, sehr enttäuschend waren für die BBC vor allem die Einschaltquoten. Sie blieben allzu eindeutig unter den erwarteten rund fünf Millionen Zuschauern, die im Schnitt Clarksons Staffeln im Vereinigten Königreich gesehen hatten. Bei Evans waren es anfangs noch 4,4 Millionen Zuschauer, dann hatten sich schließlich nur noch 1,9 Millionen für die Sendung interessiert.

Mit Jeremy Clarkson als Moderator hatte die BBC eine Cashcow: Die weltweit 350 Millionen Zuschauer brachten ebenso eine erfreuliche Rendite wie die Top-Gear-DVDs und das gedruckte Top-Gear-Magazin. Da konnte die Führung des öffentlich-rechtlichen Senders Clarksons hämische Beschimpfungen von Feministinnen, Schwulen und Politikern – den damaligen Premier Gordon Brown nannte Clarkson einmal einen "einäugigen Idioten" – ziemlich lange ertragen. Bis er nach reichlichem Alkoholkonsum seinen Koproduzenten Oisin Tymon verprügelte, weil der sich geweigert hatte, ihm nach Feierabend aus der geschlossenen Hotelküche noch ein Steak zu organisieren.

Da war der Rausschmiss des Topverdieners mit dem exzentrischen Spieltrieb unvermeidlich geworden. Auf der Peinlichkeitsskala erzielte Clarkson zwar oft die maximale Punktzahl, doch als die BBC ihn feuerte, setzten sich in einer Solidaritätsinitiative mehr als eine Million Top-Gear-Fans in den sozialen Medien für seine Wiedereinstellung ein. Vergeblich. Und das attackierte Opfer Tymon wurde beschimpft und mit Morddrohungen belegt. Clarksons treue Mitstreiter Richard Hammond und James May verabschiedeten sich ebenfalls von der BBC. Sie sind nun wieder dabei, wenn Clarkson im Herbst seine neue Karriere startet und die Show The Grand Tour bei Amazon Prime präsentiert.

Kritik an den Versuchen, Clarkson zu imitieren

War für Chris Evans die Show eine Nummer zu groß? Als er im Mai die neue Top-Gear-Staffel übernahm, konnte er es trotz der sympathischen Teamkollegen Matt LeBlanc und Sabine Schmitz eigentlich niemandem recht machen: Die Clarkson-Fans fanden Evans zu verkrampft, laut und überdreht, und seine Versuche, das Vorbild zu imitieren, seien einfach nur peinlich oder ärgerlich, kritisierten englische Medien sowie Tausende von Twitter- und Facebook-Usern.

Der Guardian wunderte sich, dass Evans sich überhaupt so lange ans Top-Gear-Lenkrad habe klammern können – schließlich war die Sendung von Clarkson erfunden und 13 Jahre lang auf ihn zugeschnitten gewesen; Clarkson war stolz auf seine Anti-PC-Haltung, die sexistische Terminologie, den Gebrauch des tabuisierten N-word (Negro), auf seine hämisch-spöttischen Bemerkungen, die auf nationale Ressentiments abzielten: Beim Test eines koreanischen Autos lästerte er über koreanische Hundeesser, bei französischen Modellen mokierte er sich über die "Froschschenkel-Fans", den VW Käfer bezeichnete er als "dasselbe Produkt, das aus der Werkstatt von V2-Technikern und Gaskammer-Konstrukteuren stammt".

Diese Mischung aus unverschämter Anarcho-Satire und kindischem Gekasper war Clarksons Markenzeichen und für die auf Außenseiter-Exzentrik getrimmten Briten auch ein vertrautes Erfolgsrezept. Mit spätpubertären Juxeinlagen im Clarkson-Stil wollte Evans das Erfolgsrezept seines erfolgreichen Vorgängers kopieren. In hochtourig um kurvige Pisten geschleuderten Sportwagen hörte man wieder das bekannte hysterische Kreischen, sah die aufgerissenen Augen, die schlecht gespielte Angstlust der Tester – doch nun monierten Kritiker und Zuschauer ein einfallsloses Comedy-Konzept, das irgendwie aus der Zeit gefallen sei und wie aufgeregtes Teenie-Gekreische beim Achterbahnfahren in Blackpool in den 1960er Jahren wirke.