Es sieht tatsächlich so aus, als würde sich Geschichte wiederholen. BlaBlaCar, der Marktführer bei der Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten, erhebt Gebühren – und die kostenlose Konkurrenz erhält Zulauf. Zum größten Anbieter war BlaBlaCar nur aufgestiegen, weil der vorhergehende Marktführer, Mitfahrgelegenheit.de, ab 2013 Geld von seinen Kunden forderte – die sich dann eine kostenfreie Alternative suchten. Aber auch Mitfahrgelegenheit.de war nicht von Anfang an die Nummer eins in dem Geschäft. Lange dominierte Mitfahrzentrale.de den Markt – bis die Betreiber Gebühren einführten.

Wieso ist es bisher keinem der Anbieter gelungen, für eine sinnvolle Dienstleistung Geld zu nehmen? Für die Vermittlung von privaten Zimmern oder Wohnungen zum Beispiel verlangt Airbnb viel Geld – und dominiert den Markt weltweit. Viele kleinere oder regionale Anbieter in dem Bereich mussten aufgeben, kostenlose Varianten wie Couchsurfing spielen kaum eine Rolle.

Dabei lässt sich beim Vermitteln von Mitfahrgelegenheiten durchaus Geld verdienen – allerdings nicht in Deutschland. Der französische Konzern, der hinter BlaBlaCar steckt, betreibt funktionierende Gebührenmodelle in Italien, Großbritannien, Polen, den Benelux-Staaten und Frankreich. In diesem bedeutendsten Markt sei die Nutzerzahl nach der Einführung der Gebühr sogar deutlich gestiegen, heißt es aus dem Unternehmen.

30 Millionen Nutzer zählt BlaBlaCar, Deutschland ist nach Frankreich einer der wichtigsten Märkte. Und ein ganz besonderer, sagt Sven Domroes vom derzeit wichtigsten Konkurrenten Fahrgemeinschaft.de. Domroes gehörte einst die Domain mitfahrgelegenheit.de. Er verkaufte sie, als die Betreiber der Seite einen Investor an Bord holten. Damit sei absehbar geworden, dass Gebühren eingeführt werden, sagt er heute. "Das war für mich der falsche Weg, ich wollte die anderen davon überzeugen, dass das nicht funktionieren wird."

Kleinstbeträge will kaum jemand mit Karte zahlen

Domroes war sicher: Will man Geld verlangen, muss man ein kompliziertes Buchungssystem aufsetzen. Es muss verhindern, dass die Leute sich am Netzwerk vorbei verabreden und Nachrichten oder Nummern austauschen. "Dadurch wird alles kompliziert, niemand will das", sagt Domroes. Das Mitfahren lebe von der Spontaneität, niemand werde sich dabei durch ein unhandliches System klicken.

Zudem gebe es einige deutsche Besonderheiten. Hierzulande sei es eher ungewöhnlich, kleine Beträge mit Karte oder online zu bezahlen. Viele zahlen lieber in bar – das aber wollen die Vermittler verhindern, um selbst etwas zu verdienen. Außerdem sind hierzulande viele weniger bereit, sensible Daten preiszugeben. 

Es gibt aber auch strukturelle Unterschiede bei der Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten gegenüber Wohnungen. Während Ersteres laut Domroes meist spontan geschieht – gebucht werde fast immer erst am Tag vor der Abfahrt, mieten Kunden ihre Ferienwohnungen Wochen im Voraus an. Dabei werden oft weit mehr als 100 Euro fällig. Ein Betrag, den auch Deutsche gern mit Kreditkarte oder auf Rechnung bezahlen – und dabei über ein paar Euro Gebühren hinwegsehen.