Es wäre prinzipiell einfach. Ein Auto kommt auf einer Brücke an einer vereisten Stelle ins Schleudern. Das ESP greift ein, rettet die Situation – und meldet gleichzeitig den Ausrutscher an alle Fahrzeuge, die sich in der Nähe befinden. Deren Fahrer sehen auf ihrem Display ein Schleuder-Symbol als Hinweis und hören die Warnung "Achtung, Glatteis voraus!"

Mit einer solchen Car-to-Car- oder Car-to-X-Kommunikation – Letztere bezeichnet die Verständigung zwischen Auto und Infrastruktur – beschäftigen sich die Autohersteller schon seit Längerem. Einen Anfang macht die Echtzeit-Verkehrsmeldung RTTI (Real Time Traffic Information), bei der die im Fahrzeug montierte SIM-Karte oder auch das mit dem Bord-Infotainment verlinkte Smartphone des Fahrers GPS-Daten übermittelt und erhält. Ändert sich die Position der Autos über einen gewissen Zeitraum nicht, ist aller Wahrscheinlichkeit nach Stau.

Mercedes-Benz geht nun als erster Autobauer einen Schritt weiter. Die Daimler-Sparte will Informationen direkt von Auto zu Auto schicken. Das funktioniert derzeit allerdings nur zwischen den Modellen der neuen E-Klasse-Baureihe W 213. Und auch nur dann, wenn der Käufer sich die große Infotainment-Einheit fürs Cockpit gegönnt hat, in der das System NTG 5.5 (Neueste Telematik Generation) eingebaut ist.

Hersteller an einem Tisch

Dann kann die Limousine bestimmte kritische Situationen anderen E-Klasse-Fahrern melden, die sich im näheren Umfeld befinden. "Das geschieht innerhalb weniger Sekunden je nach Stärke des Mobilnetzes", sagt Mathias Hartl, bei Daimler der Experte für Car-to-X Kommunikation. Zuvor aber laufen die Daten über das Daimler Vehicle Backend, quasi die Mercedes-Cloud. Der Autobauer weiß zwar bei der Eingangsmeldung, welches Fahrzeug die Information gesendet hat, die Fahrzeugkenndaten werden jedoch im Backend weggeschnitten. "Die Warnung geht stets anonymisiert raus", betont Hartl.

Noch geht der große Rest der Autofahrer leer aus. In Zukunft sollen aber möglichst viele die Warnhinweise aufs Display bekommen, unabhängig, in welchem Auto sie sitzen. Hierzu müssten sich allerdings die Hersteller an einen Tisch setzen. Immerhin, die fünf deutschen – Volkswagen, Porsche, Audi, BMW und Mercedes – haben das bereits getan. Ihr Ziel: ein gemeinsames Backend zum Datenaustausch erstellen und nutzen.

"Wer mitmachen will, kann dies gerne tun", sagt Hartl. Das Daimler Vehicle Backend ist so gestaltet, dass andere Autohersteller an den Server angeschlossen werden können. Die Mercedes-Experten hoffen, in einigen Jahren so weit zu sein.