Ob in Berlin, Frankfurt, Stuttgart oder München, das Bild ist stets ähnlich. Wer morgens zur Rushhour auf den vollen Straßen steht und in die Autos um sich schaut, sieht fast überall eine einzige Person im Fahrzeug sitzen, obwohl durchaus Platz für zwei oder drei Leute mehr wäre. Die Straße ist ausgelastet, die Autos sind es nicht.

Pendlerströme

Wo die Deutschen zur Arbeit fahren.

Doch das Bilden von Fahrgemeinschaften ist im Berufsverkehr die große Ausnahme. Das ist eines der eindeutigen Ergebnisse der Umfrage, die ZEIT ONLINE Anfang Juni gestartet hatte. Fast 6.100 Leser haben uns Einblick in ihr Pendlerleben gewährt. Haben uns verraten, welche Strecke sie überwinden, welches Verkehrsmittel sie dafür nutzen, wie lange sie schon pendeln und wie zufrieden sie mit ihrer Situation sind. Von denen, die mindestens acht Kilometer pro Strecke zurücklegen, sagten gerade einmal zwei Prozent, sie beteiligten sich an einer Mitfahrgemeinschaft.

Die häufigste Antwort auf die Frage nach dem genutzten Verkehrsmittel für die Fahrt zum Arbeitsort war "Ich fahre mit dem Auto" – 35 Prozent der Teilnehmer kreuzten dies im Fragebogen an. Die Fahrt im eigenen Pkw verspricht eben immer noch Flexibilität und eine Freiheit, die man nicht mit anderen teilen möchte. Erst recht wohl nicht mit Fremden. Dabei gibt es heute längst Websites und Apps, die die Suche nach Mitfahrern erleichtern würden.

Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, aber sie geben interessante Einblicke in die Pendlernation Deutschland. Immerhin: 34 Prozent gaben an, mit der Eisenbahn zu fahren. Dazu kommen knapp 16 Prozent, die den öffentlichen Personennahverkehr nutzen. Fast jeder Zweite lässt sich also zur Arbeitsstätte chauffieren. Und gut fünf Prozent kombinieren Auto und ÖPNV.

Entscheidendes Kriterium für die Wahl des Verkehrsmittels ist natürlich die Wegstrecke. Bei nur geringer Distanz zum Arbeitsplatz dominiert das Zweirad, für Kurzstrecken zwischen 5 und 20 Kilometern nutzen Pendler den ÖPNV, mittlere Strecken zwischen 20 und 60 Kilometern werden überwiegend mit dem Auto zurückgelegt. Ist der Arbeitsort noch weiter weg, nimmt der Anteil der Pendler, die sich für die Eisenbahn entscheiden, zu.

Wochenendpendler – also solche, die unter der Woche am Arbeitsort wohnen – machen unter unseren pendelnden Lesern nur eine sehr kleine Gruppe aus, die übergroße Mehrheit legt ihre Wegstrecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte täglich zurück. Und macht das schon lange: Mehr als jeder zweite Tagespendler gab an, er fahre schon seit mehr als drei Jahren täglich zur Arbeit.

Dabei kommt man – nimmt man die wenigen fliegenden Pendler heraus – auf eine durchschnittliche einfache Strecke von rund 44 Kilometern, für die man im Schnitt 60 Minuten unterwegs ist. Immerhin zwei Stunden am Tag, die man mit Pendeln verbringt. Zeit, in der man im Zug lesen oder Musik hören kann (immerhin neun Prozent gaben an, die Fahrtzeit mit Arbeiten zu verbringen), im Auto bleibt neben dem Fahren nicht viel, außer Radio, Hörbuch oder Musik zu hören.

Doch stört die Pendelei deshalb die Betroffenen? Da ist die Teilnehmerschar zwiegespalten, mit einem leichten Übergewicht der Zufriedenen (53 Prozent zu 47 Prozent). Allerdings wirkt sich die Streckenlänge auf die Zufriedenheit aus. Wenig überraschend: Wer nur maximal zehn Kilometer zurücklegen muss, ist in aller Regel zufrieden bis sehr zufrieden, doch schon ab elf Kilometern sinkt der Anteil der Zufriedenen rapide. Von denen, die 80 bis 90 Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt wohnen, sind nur noch elf Prozent zufrieden oder sehr zufrieden – der Anteil der Unzufriedenen ist fast dreimal so groß.