Was bleibt den Unzufriedenen? Etwas an der Pendlersituation ändern – oder sich mit der Lage irgendwie anzufreunden versuchen. Die Schmerzgrenze liegt hoch: 38 Prozent der Unzufriedenen und sehr Unzufriedenen gaben an, mittelfristig nichts ändern zu wollen. Von all jenen, die sich mit ihrem Dasein als Berufspendler dagegen nicht abfinden, zieht allerdings noch nicht mal jeder Dritte einen Umzug näher an den Arbeitsort in Erwägung. 71 Prozent spielen mit dem Gedanken, in den nächsten zwölf Monaten den Job zu wechseln und sich eine neue Stelle näher am Wohnort zu suchen.

Wir haben in dem Fragebogen keine geografischen Daten abgefragt, doch es lässt sich vermuten, wie sich die Lage für den Großteil darstellt: Gearbeitet wird in Großstädten, gewohnt wird hingegen im Speckgürtel oder noch weiter weg – das hat neulich auch unsere Auswertung von Daten des Statistischen Bundesamtes und der Bundesagentur für Arbeit etwa für Frankfurt und München gezeigt. In Bayern fährt mancher selbst aus dem fernen Augsburg (rund 64 Kilometer) oder Ingolstadt (rund 82 Kilometer) nach München zur Arbeit.

Ein Hauptgrund dafür ist offensichtlich: Am Wohnort dürften die Lebenshaltungskosten um einiges niedriger sein. Darum ertragen viele das Pendeln – am Arbeitsort zu wohnen ist für viele schlicht zu teuer. Ein anderes Argument ist aber noch viel gewichtiger: der attraktive Job. Von den Umfrageteilnehmern, die keine Veränderung ihrer Situation anpeilen, gaben 43 Prozent an, einen solchen Arbeitsplatz in ihrer Nähe nicht zu finden. Nur zwölf Prozent nannten die Wohnkosten als Hauptargument.

Ebenso deutlich sind die Hauptgründe für diejenigen, die binnen eines Jahres ihre Pendlersituation ändern möchten, sei es durch Umzug oder Jobsuche. Mehr als jeder Zweite beklagt den Verlust von zu viel Freizeit – auf der Fahrt zu oder von der Arbeit Musik zu hören oder im Zug etwas zu lesen, genügt als Freizeitaktivität eben nicht. Sport kommt bei vielen zu kurz, andere verzichten auf Vereinsarbeit oder andere Hobbys. Auch die gemeinsamen Stunden mit dem Partner seien unter der Woche sehr rar, gaben mehrere Leser an.

Eine Leserin etwa, die jeden Tag drei Stunden unterwegs ist, schrieb uns ergänzend zum Fragebogen: "Ich würde gerne wieder Musik machen, im Chor singen, Klavier spielen, aber dazu fehlt mir einfach die Zeit." Ein anderer Leser, der täglich rund 90 Kilometer mit der Bahn zur Arbeit fährt, beklagte, er habe unter der Woche "überhaupt keine Freizeit": "Zu oft habe ich das Gefühl, ich falle nach dem Zug direkt ins Bett, um morgens wieder um 6:15 aufzustehen und in den Zug zu steigen." Er zählt zur Minderheit, die mittelfristig näher an den Arbeitsort ziehen möchte.

Die gesundheitlichen Folgen des Pendelns spielen für die breite Masse offenkundig nicht die große Rolle. Dass die Gesundheit unter dem Pendlerstress leide, gaben nur neun Prozent als Hauptgrund für eine geplante Änderung der Situation an. Das korrespondiert mit der deutlichen Mehrheit von 81 Prozent, die angaben, sie hätten nicht das Gefühl, häufiger krank zu sein als nicht-pendelnde Kollegen.

Welche Alternative bleibt? Womöglich ließe sich die Lage ein wenig entspannen, wenn der Arbeitgeber Pendlern die Möglichkeit einräumte, zumindest teils von zu Hause zu arbeiten, beispielsweise einmal pro Woche oder an einem Tag in jeder zweiten Arbeitswoche.

Doch in Deutschland muss ein Arbeitgeber seinen Angestellten nicht einmal vorübergehend die Arbeit im Homeoffice erlauben – und die Präsenzkultur wird hierzulande, trotz aller moderner Kommunikationsmittel, immer noch stark gelebt. Das zeigt auch unsere Umfrage: 57 Prozent der Teilnehmer gaben an, ihr Unternehmen biete die Möglichkeit zur Heimarbeit nicht an. Wer aber das Angebot hat, nutzt es mehrheitlich auch.

Eine Leserin freut sich: "Seit ich drei Tage je Woche von zu Hause aus arbeiten kann, bleibt viel mehr Zeit für die Kinder." Doch solche Arbeitgeber, bei denen die Anwesenheit im Büro nur eine untergeordnete Rolle spielt, sind eher selten. Mancher Leser sieht die Arbeit im Homeoffice – gleichwohl er die Möglichkeit nutzt – kritisch: Einer weist darauf hin, dass damit die Neigung zur Selbstausbeutung steige, und ein anderer warnt: "Irgendwann fällt einem die Decke auf den Kopf". Außerdem klagten Leser, sie hätten durch das Pendeln ohnehin eine größere Distanz zu ihren Kollegen, die ab und zu nach Feierabend noch gemeinsam etwas unternehmen. Die Arbeit zu Hause verstärkt das Gefühl zusätzlich.

Wie schlimm ist also das Pendeln? Unsere Umfrage zeigt: Für viele nicht allzu schlimm. Mancher kann dem ganzen gar auch Praktisches abgewinnen. Wie etwa eine Leserin,  die schrieb: "Immer Visitenkarten dabei haben, vor allem im ICE entstehen durch Gespräche optimale Networking-Möglichkeiten." Und wer weiß, vielleicht findet man darüber sogar den nächsten Job – viel näher am eigenen Wohnort.