Vor drei Jahren reiste Uber-Chef Travis Kalanick durch China und schwärmte über die Chancen seines Fahrdienstvermittlers. Als Uber dann vor zwei Jahren in den chinesischen Markt eintrat, verkündete er hochtrabend: Wer in China erfolgreich sei, werde weltweit die Nummer eins.

Doch der Erfolg stellte sich nicht ein. Zwar gingen die Aktivitäten von Uber in China über seine "wildesten Träume hinaus", schrieb Kalanick am Montag in einem langen Eintrag auf Facebook. "Wenn du Verkehrsdienstleistungen so zuverlässig machen willst wie Leitungswasser, kann man ein Fünftel der Weltbevölkerung nicht ignorieren", erinnerte sich der Uber-Chef. Zugleich räumt er aber ein: Ein stabiles Unternehmen sei "nur durch Profitabilität möglich". Und da haperte es beträchtlich. Schon im Februar hatte Kalanick eingeräumt, dass sein Unternehmen in China jährlich mehr als eine Milliarde Dollar verliere.

Jetzt hat Kalanick seinen Traum offensichtlich ausgeträumt. Er bereue den Markteintritt seines Unternehmens in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt nicht, schrieb er. Doch er werde nun sein Geschäft in China an den dortigen Marktführer Didi Chuxing übergeben. Im Gegenzug wird Uber mit rund einem Fünftel an Didi beteiligt. Da der Marktwert von Didi Chuxing und China Uber derzeit auf rund 35 Milliarden US-Dollar veranschlagt wird, entspricht das einem Verkaufswert von rund sieben Milliarden Dollar.

Kein so schlechter Wert, könnte man meinen. Zumal Uber als eigene Marke in China erhalten bleiben soll. Für Kalanick ist dennoch ein herber Gesichtsverlust. Schließlich zog er vor zwei Jahren selbst den Kauf von Didi in Erwägung.

Uber kam gegen die Übermacht von Didi nicht an

So hart der Wettbewerb im Fahrtdienstvermittlungsgeschäft in anderen Erdteilen ist – in China lieferte sich Uber mit Didi eine regelrechte Schlacht. Fahrten etwa, die in Peking mit dem regulären Taxi rund 100 Yuan (etwa 13,50 Euro) kosten, subventionierten Uber und Didi und boten sie ihren Kunden für unter 20 Yuan an. Für die Finanzierung mussten beide Seiten immer höhere Investitionssummen einsammeln. In Didi Chuxing, das erst im vorigen Jahr aus der Fusion der Fahrdienste der beiden chinesischen Internetunternehmen Alibaba und Tencent hervorgegangen ist, investierte Apple vor Kurzem rund eine Milliarde Dollar. Uber wiederum wusste Baidu als Investor hinter sich, den Betreiber von Chinas größter Suchmaschine.

Trotzdem muss sich Uber in China nun geschlagen geben. Gegen den weitaus größeren Rivalen kamen die US-Amerikaner nicht an. 150 Millionen Fahrten im Monat verzeichnete Uber China nach eigenen Angaben zum Schluss – das mag nach viel klingen, doch der Marktanteil lag bei gerade einmal rund zehn Prozent. Didi kommt auf mehr als 80 Prozent. Was auch daran liegt, dass Didi in 400 Städten präsent ist, Uber derzeit nicht mal in 100.

Dabei hat die chinesische Führung gerade erst Rechtsunsicherheiten beseitigt. Wie in Deutschland und anderen Ländern liefen auch in China Taxifahrer Sturm gegen die neuen Mitfahrdienste. Chinesische Gerichte entschieden mal so, mal so. Vergangene Woche legte das Transportministerium endlich einen offiziellen Vorschriftenkatalog vor und holte damit die Branche aus der rechtlichen Grauzone. Fahrer von Mitfahrdiensten müssen mindestens drei Jahre Erfahrung am Lenkrad haben, ihre Autos dürfen nicht älter als acht Jahre sein und maximal 600.000 Kilometer auf dem Tacho haben.

"Mit dieser Rechtslage dürfte die Fahrtdienstbranche nun richtig abheben", sagt Yu Fenghui, Analyst der Agriculture Bank of China (ABC). Auf 700 Millionen regelmäßige Nutzer schätzt der Experte den chinesischen Markt.