Die Fertigung des VW Golf im Wolfsburger Stammwerk steht wegen des Lieferstreits mit einem Teilehersteller mindestens eine Woche still. Vom kommenden Montag bis einschließlich Samstag ruht die Arbeit auf den Montagelinien und in anderen Teilen der Golf-Produktion, hieß es von VW-Mitarbeitern. Im Werk seien am Freitag entsprechende Schreiben ausgehängt worden.

Der Konzern wolle "bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen" Kurzarbeitergeld für die betroffenen Mitarbeiter beantragen. Zuerst müssten aber teilweise Überstunden abgebaut werden. Hintergrund der Stilllegung ist ein Streit mit zwei Unternehmen, die ihre Teilelieferungen eingestellt haben.

Wie teuer der Produktionsstopp für VW wird, hängt davon ab, wie lange die Bänder stillstehen. Volkswagen selbst will sich noch nicht zu möglichen finanziellen Folgen äußern. Unter anderem sei noch nicht abzusehen, wie lange der Streit dauert und was für Maßnahmen ergriffen werden.

Auch Folgen für Kunden möglich

Klar ist: Ab kommender Woche werden in Wolfsburg und Emden pro Tag rund 3.450 Autos (vorwiegend der Modelle Golf und Passat) weniger gefertigt. Im ersten Halbjahr verdiente die Kernmarke Volkswagen Pkw an jedem ausgelieferten Auto vor Zinsen und Steuern im Schnitt rund 394 Euro – pro Woche wären das insgesamt knapp 7 Millionen Euro weniger operativer Gewinn. Beim Umsatz fehlen jede Woche nach dieser Rechnung 410 Millionen Euro.

Die Beispielrechnung ist aber nur ein Anhaltspunkt. Zum einen kann Kurzarbeitergeld die Kosten abfedern, zum anderem kann fehlende Produktion im Nachhinein wieder aufgeholt werden. Allerdings sind entsprechende Sonderschichten wegen der Zuschläge teuer. Ob sich der Konzern über Schadenersatz etwas zurückholen kann, ist fraglich.

Liefertermine in Gefahr

Der Branchenexperte Frank Schwope von der NordLB rechnet nicht damit, dass sich der Streit noch über Wochen hinzieht. "Das Problem kann beim Ergebnis aber durchaus einen zweistelligen Millionenbetrag kosten – wenn es schlecht läuft und sich hinzieht auch dreistellig", sagt er. Beispiele für teure Produktionsausfälle gibt es häufiger: Als nach der Erdbebenkatastrophe von Fukushima ein Werk des Darmstädter Chemie- und Pharmakonzerns Merck in Japan für knapp zwei Monate ausfiel, fehlten plötzlich bei vielen Autobauern die Lacke.

Auch für VW-Kunden könnte der Produktionsstopp Auswirkungen haben. Liefertermine von bestellten Autos könnten nicht eingehalten werden, berichteten Händler. In einem Schreiben des Volkswagenvertriebs an die Händler hieß es zwar, das Unternehmen rechne mit einer Entspannung der Lage, bei einzelnen Fahrzeugen könne es aber zu Verzögerungen kommen. Falls nötig, wollen Händler und VW dafür sorgen, dass die Kunden mobil bleiben.

Der VW-Anteilseigner Niedersachsen spricht sich angesichts des Lieferstopps notfalls für Zwangsmaßnahmen aus. Der bereits beträchtliche Schaden würde sich mit jedem Tag vergrößern, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Sollte die Verhandlungslösung scheitern, müsse Druck ausgeübt werde. "Dann wird man auch Zwangsmaßnahmen aufnehmen müssen", sagte Weil.