Im Streit mit seinen Lieferanten verschärft Volkswagen die Gangart. Der Wolfsburger Konzern stellte beim Landgericht Braunschweig den Antrag, den Teilezulieferer Car Trim durch ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro zur Wiederaufnahme der Lieferungen von Sitzbezügen zu zwingen. Sollte dies nicht geschehen, solle Ordnungshaft gegen den Geschäftsführer der Firma angedroht werden, teilte das Gericht diesen Freitag mit. Car Trim habe nun einige Tage Zeit für eine Stellungnahme. Danach wolle die Zivilkammer entscheiden.

Volkswagen durchlebt mit dem Lieferstopp externer Partner ein Desaster. Der Sitzzulieferer Car Trim und ein Lieferant von Getriebeteilen haben dem Autohersteller zufolge "die vertraglich vereinbarte Belieferung mit Bauteilen ausgesetzt". Beide Unternehmen wurden nun durch das Gericht verpflichtet, die Teile auf Abruf zu liefern.

Bereits in der vergangenen Woche hatte Volkswagen im ersten Fall eine einstweilige Verfügung gegen die Firma Car Trim durchgesetzt, an die sich das Unternehmen aus Sachsen jedoch nicht hält. Im zweiten Fall geht es um die Firma ES Automobilguss, die wie Car Trim ebenfalls zur Prevent-Gruppe gehört. Hier soll am 31. August in mündlicher Verhandlung über eine einstweilige Verfügung beraten werden, gegen die der Lieferant Widerspruch eingelegt hat.

20.000 VW-Beschäftigte in Kurzarbeit

Wegen des Lieferstopps der beiden Prevent-Töchter muss die Produktion des wichtigen Kompaktmodells Golf in Wolfsburg kommende Woche ruhen. Volkswagen wird voraussichtlich mehr als 20.000 Mitarbeiter in mehreren Werken in Kurzarbeit schicken.

Die beiden Zulieferunternehmen wiesen jede Schuld an der Zuspitzung des Konflikts von sich. Für die Krise bei VW und die dadurch entstandene Kurzarbeit sei man nicht verantwortlich, teilte Alexander Gerstung, Mitglied der Geschäftsführung der ES Automobilguss mit. "VW zwingt uns zu diesem Vorgehen, um unsere eigenen Mitarbeiter in Niedersachsen und Sachsen zu schützen und letztlich den Fortbestand des Unternehmens zu sichern."

Die jetzige Situation sei das Resultat einer frist- und grundlosen Kündigung von Aufträgen, die sich nach Darstellung von VW auf die Serienbelieferung bezögen. Die daraus entstandenen Ansprüche auf Seiten der beiden Unternehmen beliefen sich auf einen mittleren zweistelligen Euro-Millionenbetrag.

Die Entscheidungen wurden in einem Eilverfahren erlassen. Voraussetzung dafür ist, dass es für den Kläger "existenzbedrohend" wäre, den Ausgang des regulären Gerichtsverfahrens abzuwarten, erklärte Anwalt Markus Wollweber. Daran ändere auch der Umstand nichts, dass in den Fällen teilweise noch Fristen für Stellungnahmen gewährt sind und zudem eine mündliche Verhandlung am 31. August ansteht.