"Gebrauchte Fahrzeuge bieten wir nicht an. Bei uns bekommen Sie ein neues Auto", sagt Georg Memminger. Man stutzt. Denn in Memmingers Ausstellungshalle in Reichertshofen, zwischen München und Ingolstadt, stehen ausschließlich VW Käfer. Die aber wurden zuletzt 2003 gebaut, ausschließlich in Mexiko. In Europa lief das letzte Käfer-Cabrio Anfang 1980 vom Band.

Und Memmingers Käfer bekommen ein H-Nummernschild verpasst, werden also amtlich als Oldtimer zugelassen. H-Schilder erhalten mindestens 30 Jahre alte Fahrzeuge, die als erhaltenswertes "kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut" betrachtet werden. Das ist der Käfer für viele. Bis heute gilt er als Inbegriff der westdeutschen Wirtschaftswunderzeit. Die Volkswagen in Reichertshofen sind zwar deutlich jünger – Memminger hat sich auf die Käfer-Typen 1302 und 1303 der siebziger Jahre spezialisiert – aber: neu?

Was stimmt, ist: Memminger baut die alten Autos neu auf, "so als ob sie einen Front- oder Heckunfall gehabt hätten". Ein paar grundlegende Teile bleiben, etwa der Frontscheibenrahmen mit der Scheibe, die Rahmengabel, der Mitteltunnel mit der Fahrgestellnummer und ein paar Heckteile. Die Grundlage für Memmingers Autos ist stets ein alter Käfer. Der Unternehmer nennt seine Rohware "Schrotthaufen". Der Schrott hat einen stolzen Preis. 6.000 bis 8.000 Euro zahlt Memminger pro altem Wagen inzwischen. Es gebe eben immer weniger Käfer, in Deutschland keine 10.000 mehr, sagt er.

In den Hochregalen seines Lagers stapeln sich Käfer-Hauben mit dem markanten Buckel. Alte Teile wie etwa der Tachometer, die Rücksitzbank, Schalthebel und Armaturenbrett werden sorgfältig aufbereitet. "Wir werfen nichts weg, was noch gut ist", erklärt Memminger.

Alles andere wird durch neue Teile ersetzt. Was er braucht, fertigt Memminger zum großen Teil selbst, denn Originalersatzteile sind kaum noch zu bekommen. "Kotflügel gibt es schon seit zehn, zwölf Jahren nicht mehr." Als er vor etwa 16 Jahren mit der Käfer-Restaurierung begann, kaufte er bei Händlern VW-Bauteile auf, die er bis heute verarbeitet. "Von den Bodenblechen zum Beispiel habe ich alle Restbestände aufgekauft, die es damals gegeben hat. Ich war voriges Jahr in Mexiko, um zu sehen, ob es dort noch aus Altbeständen Teile gibt – aber das können Sie vergessen."

Neue Motoren für alte Käfer

Der Stahlbau ist Memmingers Metier seit den späten siebziger Jahren. Schon bevor der Bayer mit den Käfern loslegte, war seine Firma für die Automobilindustrie tätig. Als ein Lieferant im Jahr 2002 Käfer-Cabriotüren nur zu hohen Preisen verkaufen wollte, beschloss der Unternehmer, sie lieber selbst herzustellen. "Etwas Trotzhaltung war schon dabei", sagt er. Er ließ sich die nötigen Stahlgusspresswerkzeuge fertigen, mit denen er bis heute Türen und Seitenteile fertigt. Später entwickelte er auch die Kotflügel, Stoßstangen und die Querwand, weil es an brauchbaren Ersatzteilen mangelte.

Inzwischen baut er sogar die Motoren selbst. Von den alten 50-PS-Benzinern, den Standardmotoren in den Käfer-Typen 1302 und 1303, bleiben meist das Gehäuse und die Kurbelwelle übrig. Alle anderen Verschleißteile werden neu hergestellt. Zusätzlich entwickelte Memminger gemeinsam mit einem Motorenspezialisten, einem Elektroniker und einem Auspuffbauer einen wartungsarmen und sparsamen Einspritzmotor mit 100 PS – "doppelte Leistung, halber Verbrauch". Weil das alte Getriebe für den neuen Motor zu kurz war, entwickelten sie gleich ein neues dazu.

Heute fertigt Memminger rund 80 Prozent der Käfer-Teile in eigener Regie. Die nachgebauten Teile seien qualitativ sogar besser als die Originale, sagt er. "Früher hatte man nicht so gute Werkzeuge zur Herstellung." Außerdem verwendet er verzinkten Stahl, den es früher nicht gab. Memminger ist Perfektionist, seine Käfer entsprechen dem technischen Stand heutiger Neuwagen. Die Teile seien aber nach Originalplänen von Volkswagen produziert. Darauf legt der Restaurator Wert. Auch sei im Wagen selbst alles am gleichen Platz wie früher. "Was wir verändern, ist hauptsächlich Materialgüte und -stärke."