Wenn Doug Martin zu Hause in der Küche auftaucht, wird seine Frau immer ein bisschen skeptisch. Und wenn er nach fünf Minuten wieder draußen ist, zählt sie erst einmal Töpfe und Pfannen nach. Denn ihr Ehemann ist nicht nur Prüfstandsingenieur bei Ford in den USA. Er ist auch ein leidenschaftlicher Erfinder und kann dabei ein paar Küchengerätschaften oft gut gebrauchen.

Zum Beispiel für sein jüngstes Projekt H2O-to-Go: Inspiriert von der globalen Sorge vor mangelndem Trinkwasser und von einer Plakatwand in Peru, die aus der Feuchte der Umgebungsluft Wasser gewinnt, hat Martin auch fürs Auto einen nie versiegenden Wasserspender entwickelt. Mit einer Auflaufform aus der Küche seiner Frau fängt er das Kondenswasser der Pkw-Klimaanlage auf, fördert es mithilfe einer Aquariumspumpe durch Schläuche aus dem Baumarkt zu einem Hahn in der Mittelkonsole des Autos, wo es gefiltert und gereinigt als Trinkwasser gezapft werden kann.

Da kommt einiges zusammen. Bei seinen Tests mit amerikanisch-eisiger Klimatisierung an einem schwülen Tag hat Martin pro Stunde fast einen Liter Wasser produziert. "Wenn in jedem zweiten Auto in den USA nur für 45 Minuten das Kondenswasser der Klimaanlage aufgefangen würde", rechnet er das Potenzial im US-Fuhrpark hoch, "dann kämen so pro Tag knapp 70 Millionen Liter Wasser zusammen." Das ist etwa halb so viel, wie dem Bodensee von Deutschland, Österreich und der Schweiz an Trinkwasser entnommen wird – und zwar im ganzen Jahr.

Eine App fürs Taxi

Das Projekt wirkt zwar wie die Lösung eines Problems, das keiner hat. Erst recht nicht in einem Land, in dem die Drugstores rund um die Uhr offen sind und die Kühlschränke an den Tankstellen größer als bei uns die in den Supermärkten. "Doch wir müssen auch über unseren Tellerrand schauen", sagt Martin und lenkt den Blick in Regionen, die nicht ganz so weit entwickelt sind und obendrein oft das heißere Klima haben. "In Afrika oder Südamerika zum Beispiel könnte der Wasserspender eine Hilfe sein", ist der Ingenieur überzeugt.

Eine Schar von Trendforschern, Journalisten und Ford-Managern sieht das offenbar genauso so. Auf der Zukunftskonferenz Further with Ford haben die Experten Doug Martin vor einigen Tagen für dieses Jahr zum König der Tüftler gewählt und seine Idee damit dringend zur weiteren Entwicklung empfohlen.

Doug Martin fängt im Auto das Kondenswasser der Klimaanlage auf. © Ford

Dabei hatten seine Mitstreiter nicht minder gute Erfindungen ins Rennen geschickt. Programmierer Oleg Gusikhin etwa war es leid, dass er sich mit Taxifahrern in Peking oder Delhi selten verständigen kann und es in ihrem Wagen darum oft zu warm oder zu kalt ist und die falsche Musik läuft. Deshalb hat er eine App programmiert, mit der man auf das Sync-System von Ford zugreifen kann, wenn es der Fahrer gestattet – vorausgesetzt, das Taxi ist ein Ford-Modell.

"Statt mit Händen und Füßen mit einem Taxifahrer zu diskutieren und den auch noch vom Verkehr abzulenken, kann ich so alle Einstellungen vom Rücksitz selbst vornehmen", erläutert Gusikhin den Charme seiner Idee, die sich natürlich auch zur Personalisierung von Carsharing-Fahrzeugen weiter entwickeln lässt. Und falls es doch mal etwas mit dem Fahrer zu besprechen gibt, hat Gusikhin gleich noch ein Übersetzungsprogramm integriert, das online eine rudimentäre Kommunikation über alle Kulturen hinweg ermöglicht.