Ob Handtaschen von Prada oder Louis Vuitton, Poloshirts von Armani oder Ralph Lauren oder Uhren von Rolex oder IWC: Sie alle gehören zu jenen Premiummarken, auf die Warenfälscher ein besonderes Auge geworfen haben. Auf den Märkten liegen Millionen von Billigkopien mit oft täuschend echtem Aussehen zum Kauf bereit, die meisten von ihnen kommen aus Asien.

Das Phänomen der Produktpiraterie bekommt immer häufiger auch der renommierte italienische Bremsenhersteller Brembo zu spüren. Dessen Name ziert die Bremssättel vieler Sportwagen, unter anderem die von Ferrari, Maserati, Nissan und Pagani. Auch in der Tuningszene gilt es als cool, rot oder gelb lackierte Sättel von Brembo hinter den schicken Leichtmetallfelgen zu präsentieren. Brembo ist Erstausrüster für Mercedes-AMG, Porsche, Lamborghini, Corvette und andere mehr und stattet zu 100 Prozent die Motorrad-WM sowie fast die gesamte Formel 1 aus. Für viele motorsportbegeisterte Autofahrer ist der Name Brembo eine Ikone.

Solch ein Markenimage ruft Produktfälscher auf den Plan. Kleinbetriebe in China, Taiwan, Hongkong, Macau, Thailand und anderen Ländern Südostasiens fertigen mittlerweile Bremsenteile mit Brembo-Logo nach und bieten sie im Internet zu wesentlich günstigeren Preisen an. Der Fake-Markt hat sich für Brembo zum echten Problem entwickelt. "Wir machen uns Sorgen, dass gefälschte Produkte zunehmend auch in Europa auftauchen – mit entsprechenden Konsequenzen für die Sicherheit der Autofahrer", sagt Paolo Rezzaghi. Er leitet bei Brembo die Ermittlungen gegen die gefälschte Ware.

Eine eigene Taskforce gegen Produktpiraten

"Bremsen sind sicherheitsrelevante Teile, die 100-prozentig funktionieren müssen, wenn es drauf ankommt", erläutert Mario Almondo, Chef von Brembo in China. "Kopien sind oft nicht mit kontrollierten Materialien gefertigt und ordnungsgemäß getestet und überprüft worden." Auf Almondos Schreibtisch liegt ein konfiszierter Bremssattel, von einem Laien nicht von einem Original zu unterscheiden. Die Kopie durchlief die üblichen Tests bei Brembo – und versagte erwartungsgemäß. Risse zeigen dies überdeutlich.

"Der Handel mit gefälschten Waren ist längst ein Milliardengeschäft geworden", sagt Stefan Moritz von MarkMonitor. Die Münchener Firma betreut Unternehmen weltweit bei Problemen mit der Produktpiraterie. Das Internet spielt im Geschäft mit den Fakes inzwischen eine entscheidende Rolle. "Die rasante Verbreitung sowie die sofortige globale Verfügbarkeit und Anonymität haben die Situation massiv verschärft", sagt Moritz, der neben den wirtschaftlichen Schäden für die Unternehmen auch deren Reputationsverlust sieht.

Am Stammsitz in Stezzano in Italien hat Brembo eine Art Taskforce ins Leben gerufen, die sich mit nichts anderem beschäftigt, als Produktpiraterie zu verfolgen. Alles andere als ein leichter Job und mit hohem Frustrationspotenzial gesegnet. Nur in manchen Fällen sind Täter dingfest zu machen, und in den Ursprungsländern der Imitate bietet die Gesetzeslage in Sachen Patentrecht und Markenschutz den Fälschern Schlupflöcher. "So ist es durchaus ein Unterschied, ob der Brembo-Schriftzug nur als Aufkleber auf dem Bremssattel drauf ist oder per Lackierung aufgebracht wurde", sagt Paolo Rezzaghi.