Ob es die Freude am Campen ist, die Nähe zur Natur oder die Spontaneität bei der Wahl der Urlaubsziele und die Ungebundenheit, jederzeit die Reisepläne ändern zu können: Die Reiseform Caravaning boomt. Speziell bei den Reisemobilen freut sich die Branche seit Jahren über einen steten Wachstumskurs. Auch 2015 gab es zum wiederholten Male einen Verkaufsrekord in Deutschland, und der Absatz steigt immer weiter. Allein im September wurden laut dem Caravaning Industrie Verband (CIVD) 2.874 Freizeitfahrzeuge neu zugelassen, 34 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Das heißt aber auch: Es kommen eine Menge Neukunden hinzu, die sich erstmals den Traum vom eigenen Reisemobil erfüllen wollen. Doch so einfach ist die Anschaffung eines Eigenheims auf vier Rädern nicht. Das Angebot an bewohnbaren Fahrzeugen ist riesig, allein schon bei den kompakten Modellen, den ausgebauten Fahrzeugen auf Basis eines Nutzfahrzeugs. Am Beispiel des VW California und des Karmann Dexter Trend erläutern wir die Vor- und Nachteile von zwei der fünf Reisemobilgattungen.

Der California steht für die kleinste Wohnmobilkategorie, den Campingbus. Mit rund fünf Metern Länge bewegt er sich in den Dimensionen eines großen Pkw, ist allerdings vor allem mit seiner Höhe von 1,99 Metern anderen Reisemobilformaten überlegen. Denn damit sind bei einer Städtetour auch die allermeisten Tiefgaragen kein Tabu – sofern den Fahrer bei zwei Metern Einfahrtshöhe nicht der Mut verlässt.

Einsteiger werden außerdem das unproblematische Fahrverhalten zu schätzen wissen. Verfügbare Assistenzsysteme für die Sicherheit müssen freilich fast immer sehr teuer extra bezahlt werden. Der von uns getestete 150 kW (204 PS) starke 2,0-Liter-Dieselmotor, die Topmotorisierung des California, ermöglicht ein flottes Reisetempo bis 200 km/h, verlangt aber im Durchschnitt auch 8,5 bis 9,5 Liter Kraftstoff je 100 Kilometer.

Kein Platz für einen Waschraum

Ist ein hübscher Übernachtungsplatz gefunden, wird – in der Ocean-Variante serienmäßig – per Knopfdruck das Aufstelldach hochgefahren. Dabei entsteht ein allerdings sehr enges Schlafgemach: 1,20 Meter breit und 2,03 Meter lang. Bei Bedarf kann im Parterre die Mittelsitzbank zu einer weiteren Doppelkoje umgebaut werden, die mit 1,16 Metern Breite noch ein wenig enger ist. Ansonsten ist die zweite Sitzreihe ebenso wie die beiden um 90 Grad gedrehten Frontsitze Bestandteil der Sitzgruppe.

Der VW-Camper kombiniert wohnmobiles Reisen mit der vergleichsweise angenehmen Ruhe eines Pkw. Wegen der hohen Alltagstauglichkeit eignet er sich durchaus auch als Erstfahrzeug im Haushalt. Er hat aber auch zwei große Nachteile. Erstens: Es besteht zwar die Möglichkeit, eine Außendusche an den Frischwassertank anzuschließen, für einen separaten Waschraum mit Dusche und Chemietoilette fehlt aber schlichtweg der Platz. Darum sind auf der Reise Campingplätze oder mit sanitären Anlagen ausgestattete Stellplätze bevorzugte Ziele.

Zweitens: Das Fahrzeug ist richtig teuer. Die Topausführung California Ocean kostet als Sondermodell mindestens 75.000 Euro, und auch die bescheidener bestückten Ausstattungslinien Beach (ab 42.120 Euro) und Coast (ab 51.277 Euro) sind nicht günstig. Der Beliebtheit des Segmentbestsellers schadet das nicht. Im Gegenteil. Auch der VW California bewegt sich auf Rekordkurs. Kunden müssen mittlerweile bis zu acht Monate auf ein Neufahrzeug warten.

Dass es auch günstiger geht, zeigt beispielsweise der bayerische Ausbauspezialist Pössl. Sein für Anfang 2017 angekündigter Campster auf Basis des Citroën Spacetourer soll ab 38.000 Euro kosten. Das Modell könnte eine erfolgreiche Alternative zum deutlich teureren VW werden.