Käfer gegen Olympia, Golf gegen Kadett, Passat gegen Omega: Volkswagen gegen Opel, das war über Jahrzehnte hinweg der Klassiker schlechthin. Die Rivalen lieferten sich jahrelang spannende Duelle um die Gunst der Kunden. Bis Opel schwächelte und den Konkurrenten aus Wolfsburg davonziehen lassen musste. Jetzt steht ein neuer Kampf bevor – sogar eines auf Augenhöhe. Es geht um Elektroautos und deren Reichweite.

Europas größte Autoshow des Jahres in Paris in kürt gerade ihre Stars. Mit im Rennen zwei elektrisch angetriebene Pkw: Der Opel Ampera-e feiert ebenso Premiere wie der VW I.D. Beide bieten verblüffende Reichweiten, bevor die Batterie wieder an die Steckdose muss. Mehr als 500 Kilometer, sagt Opel, rund 600 Kilometer verheißt VW. Der große Unterschied: Der Opel ist ein Serienmodell, das von Mai 2017 an für rund 34.000 Euro gekauft werden kann. Der VW ist hingegen eine Studie, deren Start erst für das Jahr 2020 geplant ist. Rüsselsheim schlägt Wolfsburg, das gab es lange nicht mehr.

"Wir haben ein Auto rund um die Batterien gebaut und nicht eine Batterie in ein vorhandenes Modell verpflanzt", erläutert Opel-Chef Karl-Thomas Neumann und betont: "Der Ampera-e ist kein Spielzeug und nicht nur als Zweitwagen geeignet." Der Fünfsitzer, gemeinsam mit seinem amerikanischen Schwestermodell Chevrolet Bolt entwickelt, enthält ein Paket von 288 Lithium-Ionen Zellen, das platzsparend im Unterboden des 4,17 Meter langen Wagens untergebracht ist. So passen in den Kofferraum 381 Liter, mehr als in die meisten heutigen Autos dieser Größe.

Keine Angst vorm Elektroauto

Der Elektromotor leistet 150 kW (204 PS). Damit schafft der Ampera-e den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h in 7,3 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 150 km/h begrenzt, der Reichweite wegen. Und die ist beeindruckend: Nach einer Versuchsfahrt von Paris nach London (rund 417 Kilometer ohne die Zugfahrt unter dem Ärmelkanal) zeigte der Bordcomputer am Ziel eine Rest-Reichweite von gut 80 Kilometern.

"Echte 400 Kilometer Reichweite sind mit dem Ampera-e auf jeden Fall möglich", sagt Opel-Chef Neumann. "Der Ampera-e ist ein großer Schritt, auch, weil er durch seine große Reichweite den Menschen die Angst vor Elektroautos nimmt und gleichzeitig Emotionen weckt." Zum Vergleich: Der bisherige Reichweiten-Primus unter den Alltagselektroautos, der BMW i3, kommt 300 Kilometer weit. Mehr schaffen nur die Luxuswagen von Tesla.

Über die genauen Ladezeiten an der Stromsäule, bis die 60 kWh große Batterie im Ampera-e wieder voll ist, mag sich Opel noch nicht äußern. Je nach vorhandener Kapazität werden es zwischen drei und acht Stunden sein. 30 Minuten am Stecker sollen aber für 150 weitere Kilometer ausreichen.