Wer künftig nachts in einem Schlaf- oder Liegewagen durch Deutschland fahren möchte, muss dazu ein Ticket der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) kaufen und in einen Nightjet-Zug der ÖBB einsteigen. Denn die Deutsche Bahn (DB) stellt zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember ihre Nachtzüge ein, einen Teil der Strecken übernehmen die Österreicher. Unter dem Strich schrumpft das Angebot mit klassischen Nachtreisezügen allerdings auf etwa die Hälfte. Dafür will die DB nachts künftig mehr IC- und ICE-Züge fahren lassen – aber eben nur mit Sitzplätzen.

DB und ÖBB stellten am Freitag gemeinsam das neue Nachtzugkonzept für Deutschland vor. Demnach bauen die ÖBB ihr Nachtangebot unter dem Namen Nightjet aus: Sechs neue Verbindungen kommen zu dem bestehenden Angebot dazu. Die neuen Linien verbinden täglich Innsbruck und München mit Hamburg und Düsseldorf, außerdem gibt es in jeder Nacht Züge zwischen Hamburg bzw. Berlin und Zürich, außerdem werden München, Salzburg und Villach mit Venedig, Rom und Mailand verbunden. Die Österreicher bedienen damit einige Verbindungen, auf denen bisher City-Night-Line-Züge der DB fahren.

Bereits heute fahren die ÖBB in Deutschland mit Nightjet-Zügen zwischen Wien und Hamburg sowie Wien und Düsseldorf. Auf den Strecken Innsbruck-Hamburg und Innsbruck-Düsseldorf befördern die ÖBB nach eigenen Angaben künftig außerdem Autos und Motorräder. Somit wird es auf dem deutschen Schienennetz künftig noch acht Verbindungen geben, auf denen Nachtreisezüge mit Schlafwagen unterwegs sind.

"Auch in Zukunft wird es ein attraktives Nachtreiseangebot in Deutschland geben", sagte DB-Vorstandsmitglied Berthold Huber. "Die Nachtreisekonzepte beider Unternehmen sichern ein vielfältiges Angebot für unterschiedliche Reisebedürfnisse: mit komfortablen Sitzmöglichkeiten in unseren Nacht-IC/ICE, aber auch mit den klassischen Liege- und Schlafwagen der ÖBB."

Fernbusse fahren verstärkt auch nachts

Die Deutsche Bahn werde künftig in jeder Nacht zu den bestehenden zwei IC- und zwei ICE-Fahrten vier neue IC-Verbindungen anbieten, an den Wochenenden und in den Sommerferien sollen weitere dazukommen. Außerdem sollen "in den Tagesrandzeiten" mit drei neuen Fernverbindungen auf wichtigen Pendlerstrecken wie Ulm-München und Frankfurt-Amsterdam die Kapazitäten erhöht werden. In den Nachtzügen könne in einem Großteil der Wagen das Licht gedimmt werden, außerdem würden Durchsagetexte verkürzt, um schlafende Fahrgäste möglichst wenig zu stören, teilte der Bahnkonzern mit.

Die Bahn hatte bereits Ende 2015 angekündigt, den klassischen Nachtzugverkehr im Dezember 2016 aus Kostengründen einzustellen. Die Fernbusanbieter weiten seit einiger Zeit ihr Nachtangebot aus: So kann man beispielsweise um 23.15 Uhr in Berlin abfahren und kommt am nächsten Morgen um halb neun in Wien an. Allerdings auch nur im Sitzen. Gerade Jüngere, die für wenig Geld reisen möchten, ziehen diese Möglichkeit aber den teureren Schlafwagen vor. Offenkundig hofft die Deutsche Bahn, mit einem verstärkten IC-Angebot nachts diese Kundschaft zu gewinnen.

Der Fahrgastverband Pro Bahn nannte es "sehr erfreulich", dass die ÖBB einen Teil des bisherigen DB-Verkehrs übernehmen wird. Für Nachtreisezüge gebe es noch immer einen Bedarf, sagte Pro-Bahn-Sprecher Stefan Barkleit. Nicht nur für Urlauber, sondern auch für Geschäftsleute sei es durchaus eine Alternative zum Flug, etwa von Hamburg nach Zürich im Schlaf- oder Liegewagen zu reisen. Nach einer Nachtfahrt im Zug könne man am nächsten Morgen ausgeschlafen am Zielort einen Termin wahrnehmen, sagte Barkleit. Die Fahrkarten für die ÖBB-Nightjet-Züge sind laut Deutscher Bahn auch bei ihr über die üblichen Wege erhältlich, also etwa über die DB-Website oder an den Automaten.