In meinem Wohnviertel in Berlin ist es mittlerweile ganz normal, in zweiter Reihe zu stoppen: Kleintransporter von Handwerkern halten oder parken sogar dort; hinzu kommen Privatleute, die in zweiter Reihe stehen, weil es kaum noch Parkplätze entlang der Straße gibt. Das wird anscheinend geduldet, andere wie mich nervt aber das zunehmende Slalomfahren. Was ist da eigentlich erlaubt? Wie lange darf man in zweiter Reihe halten, fragt sich ZEIT-ONLINE-Leser Martin Lang.

Zu viele Kraftfahrzeuge bringen vor allem Ballungsräume in die Bredouille: Gewaltige Blechkolonnen schieben sich in Staus morgens in die Zentren, und abends zieht die Karawane in die Gegenrichtung zurück in die Vorstädte. Verschärft wird das Problem durch zu große Geländewagen und zu wenige Abstellflächen in Wohngebieten. Viele Stadtbewohner kennen dieses Szenario aus ihrem Alltag.

Doch wohin mit dem Fahrzeug? Eines ist klar: "Parken auf Gehwegen ist nicht erlaubt, sofern es nicht ausdrücklich durch entsprechende Verkehrsschilder genehmigt wird", sagt der Jurist Markus Matzkeit, denn Fahrzeuge versperren Fußgängern und Radfahrern den Weg. Der Anwalt weist auf ein weiteres Problem hin: "Gehwege sind in der Regel nicht für eine so große Belastung durch ein Kraftfahrzeug ausgelegt. Gehwegplatten verschieben sich oder brechen, sodass Stolperfallen entstehen. Auch wenn dies in der konkreten Situation für den Autofahrer nicht deutlich wird, gefährdet er hier andere Verkehrsteilnehmer."

Wenn aber in der Straße kein Parkplatz am Straßenrand frei ist, stellen sich viele auf der Straße in die zweite Reihe. "Das Parken in zweiter Reihe ist verboten", sagt Matzkeit und erläutert: "Damit ist gemeint, länger als drei Minuten anzuhalten oder das Fahrzeug zu verlassen." Um schwere Gegenstände ein- oder auszuladen oder Fahrgäste ein- und aussteigen zu lassen, ist kurzes Anhalten in zweiter Reihe meistens möglich.

Das hängt allerdings von der konkreten Situation ab, wie Matzkeit betont. "Hier muss jeweils zwischen den Interessen des Haltenden und dem übrigen Verkehr abgewogen werden. Nicht zulässig ist ein derartiges Halten, wenn dadurch erhebliche Behinderungen oder Gefährdungen entstehen. Handelt es sich aber um eine breite Straße, auf der der fließende Verkehr problemlos an dem haltenden Fahrzeug vorbeifahren kann und sind dringende Gründe für dieses Verhalten gegeben – es gibt in der Nähe keine andere Parkmöglichkeit oder es werden größere, schwere Gegenstände transportiert – dann ist es erlaubt." Wer anhält, sollte aber auf andere Verkehrsteilnehmer achten.

Spielraum haben Taxis, um Fahrgäste ein- und aussteigen zu lassen. Diese Fahrzeuge dürfen auch halten, um eine Quittung auszustellen oder den Fahrgästen mit ihrem Gepäck zu helfen. "Ebenfalls in zweiter Reihe dürfen Fahrzeuge der Bundesnetzagentur sowie der Post in einem Bereich von zehn Metern vor oder hinter einem Briefkasten anhalten, um diesen zu leeren", sagt Matzkeit.

Für Handwerker gibt es vielerorts Ausnahmegenehmigungen, sogenannte Handwerkerparkausweise. Sie werden von der Straßenverkehrsbehörde ausgestellt und erlauben es einzelnen Fahrzeugen, entgegen den Regeln zu parken. "Es ist aber keine grundsätzliche Berechtigung für ein Halten oder Parken in zweiter Reihe", betont Matzkeit. "Die Genehmigung gestattet lediglich ein kostenfreies und zeitlich nicht eingeschränktes Parken in Halteverboten, bei Parkscheibenpflicht oder Parkautomaten sowie auf Anwohnerparkplätzen." Hier gelten in jeder Stadt andere Regeln.

Ein weiterer Grund für das Zuparken von Gehsteigen könnten auch die niedrigen Bußgelder sein. Meistens kostet es nur zwischen 15 und 35 Euro, sein Auto dort abzustellen. Teurer wird es nur, wenn der Wagen die Durchfahrt für Rettungsfahrzeuge behindert.