In den Niederlanden, Belgien, England und den USA dürfen Radfahrer an einer roten Ampel an den Autofahrern vorbeifahren und in einer auf dem Asphalt markierten Haltezone vor den Kraftfahrern auf das Grün der Ampel warten. Erhöhen solche Wartezonen die Sicherheit für Radfahrer, und wann sind sie sinnvoll, fragt ZEIT-ONLINE-Leserin Martina Fetzer.

Diese Haltezonen gibt es auch in deutschen Städten, in Stuttgart zum Beispiel. Dort dürfen Radfahrer nebeneinander stehend vor den Autofahrern auf das Grünlicht warten und können anschließend sicher geradeaus fahren oder nach links abbiegen.

Die auf der Fahrbahn markierten Flächen an Ampelkreuzungen erleichtern den Radfahrern das Leben, machen es komfortabler und sicherer, wie Roland Huhn, Rechtsreferent beim Bundesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), erläutert. "Radfahrer müssen nicht neben oder hinter Autos warten und Abgase einatmen, und sie werden von rechts abbiegenden Autofahrern nicht so leicht übersehen, weil sie in deren Blickfeld auf Grün warten."

Der ADFC-Jurist erklärt, wie die aufgeweiteten Radaufstellstreifen (Aras) – so heißen die Wartezonen im Fachjargon – aussehen sollten: "Vor einer Ampel wird für Radfahrer eine Haltelinie über die gesamte Breite der Fahrspur angebracht. Die Stelle, an welcher der Kfz-Verkehr bei Rot warten soll, wird durch eine um drei bis fünf Meter zurückverlegte Haltelinie markiert. Dass der Bereich dazwischen Radfahrern zugewiesen ist, zeigen auf die Fahrbahn gemalte Fahrradpiktogramme an." Verkehrsplaner können die Kriterien und Details für diese Haltezonen in den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) aus dem Jahr 2010 nachlesen.

Doch auch dort, wo es keine Haltezonen für Radler gibt, müssen sich diese an einer Ampel nicht ganz hinten einordnen. "Paragraf 5 Absatz 8 der Straßenverkehrsordnung (StVO) erlaubt Radfahrern, Fahrzeuge, die auf dem rechten Fahrstreifen warten, mit mäßiger Geschwindigkeit und besonderer Vorsicht rechts zu überholen, sofern ausreichender Raum vorhanden ist", sagt Huhn.

"Leider enthält die StVO keine spezielle Verpflichtung für Fahrzeugführer, Radfahrern diesen Raum freizuhalten", fügt der Verkehrsjurist hinzu, "und längst nicht jeder Autofahrer hält sich an das allgemeine Gebot der Rücksichtnahme aus Paragraf 1 der StVO." In manchen Großstädten vergessen im Stau vor einer Ampel wartende Autofahrer diese Regel komplett. Manche positionieren ihren Wagen scheinbar extra weit rechts, damit kein Radfahrer an ihnen vorbeikommt. Andere versuchen mit Hupen, die sich durchschlängelnden Radfahrer zu verunsichern.

Aufstellstreifen für Radfahrer helfen besonders dann, wenn sie mit Schutzstreifen oder Radfahrstreifen kombiniert werden, damit der Radverkehr ungehindert an stehenden Kraftfahrzeugen vorbeifahren kann, sagt Huhn. "Aras eignen sich besonders für Kreuzungszufahrten mit längeren Rotphasen, an denen der Radverkehr sich vor den Autofahrern sammeln kann", sagt der ADFC-Rechtsreferent.