Die VW-Tochter Audi soll noch mehr getrickst haben als bisher gekannt, wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet. Demnach habe der Autohersteller nicht nur bei Diesel- und Benzin-Autos in den USA Abgaswerte manipuliert sondern auch in Europa. Getrickst wurde dem Bericht zufolge mit speziellen "Warmlaufprogrammen" bei der Abgasreinigung.

Zu diesen hat die Rechtsabteilung des VW-Konzerns laut SZ nun eine rechtliche Bewertung vorgenommen und einen Bericht verfasst. Demnach habe Audi durch ein "Warmlaufprogramm" erreicht, dass nach dem Start des Wagens die Betriebstemperatur des Katalysators schneller erreicht und somit der Schadstoffausstoß verringert werde. Gerade in den USA soll dies auf dem Prüfstand verwendet worden sein – nicht so aber unter normalen Fahrbedingungen. "Was da diese Woche bei VW notiert wurde, wirkt wie ein Schuldeingeständnis im Namen von Audi. Wenig Kohlendioxid auf dem Prüfstand, viel CO₂ auf der Straße", schreibt die Zeitung. Außerdem sei bei Diesel- wie Benzinfahrzeugen mit Automatikschaltung in den USA als auch in Europa ein weiterer Trick angewendet worden: Auf dem Prüfstand soll schneller hochgeschaltet worden sein. Ebenfalls mit dem Ergebnis, dass weniger Emissionen entstanden seien.

Offenbar erkennen Sensoriken in den Automatikwagen anhand der Lenkradstellung, dass sie auf einem Prüfstand stehen. Die Schaltung ändert ihr Programm so, dass weniger CO2-Ausstoß entsteht. Das Programm soll nach Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters schon vor dem Jahr 2012 entwickelt worden sein. Medienberichten zufolge soll Audi das mit diesem Programm aufgemotzte Getriebe bei leistungsstarken Motoren verwendet haben. Demnach wurde es in mehr als 100.000 Autos eingebaut. Der Konzern stoppte den Einsatz allerdings im Mai. Das war kurz bevor die kalifornische Umweltbehörde Carb die Manipulation in einem älteren Modell entdeckte.

Genauere Untersuchungen über die Schummelei sollen der SZ zufolge dazu aber noch nicht stattgefunden haben. Aber anscheinend schließen die Rechtsexperten des Autoherstellers nicht aus, dass die US-Behörden diesen Trick als unzulässig einstufen. Gegenüber dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) allerdings habe Audi erklärt, dass es in Europa keine solche Tricksereien gegeben habe.

Stadler soll vor Anwälten aussagen

Alles das könnte für Ärger bei Audi sorgen. Konzernchef Rupert Stadler soll nun ein zweites Mal vor Anwälten der US-Kanzlei Jones Day aussagen, die im Namen von Autobesitzern eine Sammelklage eingereicht hat. Bereits nach Aufdeckung des VW-Dieselskandals 2015 hatte auch Audi zugeben müssen, dass in seinem Sechszylinder-Diesel lange illegale Abgassoftware eingesetzt wurde. Stadler war daher im September von Jones Day befragt worden. Damals hatte der Spiegel berichtet, die vom VW-Aufsichtsrat beauftragen Spezialisten wollten von dem Audi-Chef wissen, wann er von dem Einsatz der verbotenen Software für die Diesel-Motorensteuerung erfahren habe. Stadler ist seit 2007 Chef der VW-Tochter. 

Unterdessen wurde bekannt, dass die US-Wettbewerbsbehörde FTC gegen Volkswagen wegen des möglicherweise absichtlichen Löschens von wichtigen Daten im Abgasskandal ermittelt. Ein im August befragter VW-Mitarbeiter habe 250 Fragen nicht beantworten können, hieß es in Gerichtsdokumenten, die am späten Donnerstag eingereicht wurden. Deshalb will die FTC nun die Zustimmung des Gerichts für die Befragung eines weiteren VW-Mitarbeiters.

Die Behörde ermittelt bereits seit März. Damals hatte ein entlassener VW-Mitarbeiter eine Klage gegen VW eingereicht. Er warf dem Konzern vor, ihn im Dezember 2015 entlassen zu haben, weil er nicht bereit gewesen sei, wichtige Daten zu löschen. Die Klage wurde im Juni beigelegt und der Ex-Mitarbeiter erklärte sich bereit, mit der interner Untersuchung von VW zusammenzuarbeiten.

In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen einen VW-Mitarbeiter wegen seiner Rolle bei der Löschung von Daten, wie im Juni bekannt wurde. Er soll anderen VW-Mitarbeitern im August 2015 verklausuliert Hinweise gegeben haben, den Dieselskandal betreffende Daten zu löschen oder zumindest zu entfernen. VW hatte im September 2015 zugegeben, in den USA eine illegale Software installiert zu haben, um Diesel-Emissionswerte zu manipulieren.