Vor gerade mal zehn Jahren ertönte überall in Abgeordnetenhäusern und auf Börsenparketten der Nokia-Klingelton. Nokia dominierte den Weltmarkt, und keiner dachte, dass das jemals anders sein würde. Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo meinte, Smartphones mit Touchscreen würden ein Nischenprodukt bleiben. Damit begannen die Talfahrt des Unternehmens und der Siegeszug von Apple und Google.

Anderes Beispiel, gleicher Irrweg: In den Nullerjahren standen die Aktien von E.on oder RWE auf Rekordhoch. Auf Initiative der Grünen wurde damals das Stromeinspeisegesetz – später EEG – für erneuerbare Energien auch für große Unternehmen geöffnet. Doch die Konzerne überhörten die Stunde, die es geschlagen hatte, und verschliefen die Chancen der Energiewende. Heute sind beide Unternehmen von der Insolvenz bedroht. Die Politik muss handeln und die Atomrückstellungen sichern, weil zu befürchten ist, dass die einstigen Energieriesen den Abriss ihrer Atomkraftwerke nicht mehr erleben werden.

Neulich saßen in Berlin der Vertreter eines Energiekonzerns und der Manager eines Autoherstellers gemeinsam bei einem Workshop zur Elektromobilität. Der Autovertreter bemerkte, sein Unternehmen werde erst in den Markt für Fahrzeugbatterien einsteigen, wenn der Trend unumkehrbar erscheine. Da warnte der Energielobbyist: "Genau diese Strategie haben wir auch verfolgt, als die Erneuerbaren Energien kamen. Und dann waren andere schneller und besetzten den Markt."

Der Skandal um die manipulierten Abgaswerte zeigt, dass die Geschäftsmodelle der Autobranche weltweit aus der Spur geraten sind. Die Hersteller haben an vielen Schrauben gedreht, um die Verbrennungsmotoren zu optimieren und sie an strengere Umweltvorgaben anzupassen. Doch irgendwann stoßen sie an technische Grenzen, es gibt nun einmal keine Verbrennung ohne Abgase. Ab einem bestimmten Punkt existiert die Reduktion nur noch in den Prospekten, weil mittels manipulativer Software die Messwerte auf den Prüfständen manipuliert werden.

Politik kann und darf das nicht akzeptieren. Die Diskussion um schärfere Grenzwerte für Rußpartikel und für Stickoxide läuft weltweit, denn die Emissionen nehmen den Städten und ihren Bewohnern die Luft zum Atmen. Immer mehr Kommunen verhängen örtliche Fahrverbote für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Vom Klima ganz zu schweigen. Wenn wir den Weltklimavertrag umsetzen wollen – und zu nichts anderem hat Deutschland sich verpflichtet  – müssen wir, vom Ende her gedacht, um das Jahr 2030 beginnen, keine neuen Autos mit reinem Verbrennungsmotor mehr auf den Markt zu lassen. Zumindest, wenn wir wollen, dass ihre Besitzer sie bis 2050 noch nutzen oder verkaufen können.

Das heißt nicht, dass irgendwem das Auto weggenommen wird. Aber irgendwann müssen neue Produkte auf den Markt, und derzeit haben nur elektrisch betriebene Fahrzeuge das Potenzial, die mit fossilen Kraftstoffen fahrenden Pkw abzulösen.

Noch kosten Elektroautos das Doppelte und haben die halbe Reichweite von Verbrennern, doch E-Autos holen Jahr für Jahr enorm auf. Bis zum übernächsten Jahrzehnt werden sie allen Ansprüchen genügen. Davon gehen mittlerweile auch die Automobilhersteller aus.