Wenn ein Wirtschaftsminister im Ausland weilt, vertritt er – soweit nachvollziehbar – auch die Interessen der Unternehmen seines Landes. Darum ist er ja Wirtschaftsminister. Kein Wunder also, dass Sigmar Gabriel bei seiner Reise in China die Sorge deutscher Autohersteller anspricht, sie könnten durch die von der Pekinger Führung geplante Elektroauto-Quote ausgebootet werden.

Dass in Wolfsburg, München und Stuttgart gerade Panik ausbricht, überrascht nicht. Volkswagen, Daimler und BMW sind inzwischen stark vom chinesischen Markt abhängig. In der alten Welt sind die Automobilmärkte längst gesättigt, aber in Fernost herrscht noch großer Nachholbedarf. Besonders krass ist die Lage bei VW: Der Konzern verkauft inzwischen 40 Prozent seiner Fahrzeuge in China.

Die Angst, die jetzt angesichts der neuen chinesischen Pläne grassiert, ist nicht ganz unberechtigt. Schließlich sollen in der Volksrepublik schon ab 2018 bestimmte Quoten für den Verkauf von Elektroautos gelten. Das führt dazu, dass die deutschen Autobauer – die in China bisher vor allem auf Luxusautos mit großen Verbrennungsmotoren gesetzt haben – deutlich mehr Elektroautos absetzen müssten als bisher. Und das schon in nicht mal 15 Monaten. Das ist praktisch nichts verglichen mit den Vorlaufzeiten, die ein Autohersteller braucht, bis ein neues Modell entwickelt ist. An E-Automodellen, die bereits im Angebot sind, mangelt es den deutschen Konzernen nämlich noch.

Was aber verwundert, ist die Vehemenz, mit der Gabriel in Peking die Sorgen der deutschen Autoindustrie transportiert. So richtig die Forderung ist, dass eine solche E-Auto-Quote für alle Hersteller gleichermaßen zu gelten hat und niemanden diskriminieren darf, so falsch ist die Erwartung, alles müsse so bleiben, wie es ist. Ein souveräner Staat wie China darf selbstverständlich Elektromobilität fördern und dazu auch solche Quoten einführen.

Die chinesische Quote war absehbar

Das geschieht dort ohnehin schon längst. Die mit Autos überquellenden Metropolen Peking und Shanghai behandeln bei der Zulassung bereits jetzt E-Autos anders als Pkw mit Verbrennungsmotor. Die Deutschen hätten angesichts der massiven Luftprobleme in Chinas Städten längst damit rechnen müssen, dass die Führung über kurz oder lang Maßnahmen ergreifen wird.

Ohnehin verwundert, wie die deutsche Autoindustrie das Fördern der Elektromobilität zunehmend als Bedrohung wahrnimmt, statt darin eine Chance zu sehen. Als kürzlich der Bundesrat beschloss, die EU-Kommission solle Vorschläge für eine andere Besteuerung von Kraftfahrzeugen unterbreiten, damit spätestens ab 2030 in der EU "nur noch emissionsfreie Pkw zugelassen werden", lief die Autolobby Sturm – mit freundlicher Unterstützung von Verkehrsminister Dobrindt und Bayerns Ministerpräsident Seehofer. Selbst der grüne Ministerpräsident Kretschmann stimmte im Bundesrat gegen den Beschluss – in seinem Bundesland Baden-Württemberg sitzen schließlich Daimler und Porsche.

Dabei geht es hier um einen Zeitraum von 14 Jahren. Bis 2030 müsste die Autoindustrie zwar noch gewaltig investieren, um den kompletten Umstieg auf E-Autos zu schaffen. Aber es wäre aus heutiger Sicht durchaus machbar. Wir sprechen schließlich nur davon, dass ab dann die Neuwagen emissionsfrei sein sollen – der Bestand würde auch noch mit klassischen Kraftstoffen fahren können.

Kurz erklärt - Wie sauber sind Elektroautos? Für Elektroautos will die Bundesregierung eine Kaufprämie von 4.000 Euro einführen. Doch zu hundert Prozent umweltfreundlich sind die Fahrzeuge nicht.