ADAC und Grüne sehen eine Pkw-Maut skeptisch. Sollte die Abgabe tatsächlich Realität werden, müsse es verbindliche Garantien geben, forderte ein Sprecher des Automobilclubs: "Keine Mehrbelastung für deutsche Autofahrer, keine Ungerechtigkeiten zwischen den europäischen Autofahrern und jede Mehreinnahme muss zweckgebunden in die Zukunft der Mobilität investiert werden."

Der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte der Berliner Zeitung, entweder werde das Modell vor dem Europäischen Gerichtshof scheitern oder deutsche Autofahrer würden draufzahlen, weil es keine 1:1-Kompensation für sie geben werde. "Damit wäre das zentrale Versprechen von Union und SPD gebrochen", sagte Hofreiter. Im Koalitionsvertrag von CDU und SPD war festgehalten worden, dass deutschen Autofahrern keine Mehrkosten durch eine Pkw-Maut entstehen werden.

Die EU-Kommission und das Bundesverkehrsministerium haben im Streit um die Pkw-Maut "weitreichende Fortschritte" erzielt. "Wir bewegen uns aufeinander zu und ich bin sehr zuversichtlich, dass die Einigung mit der EU-Kommission im November steht", sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Eine Kommissionssprecherin sagte ZEIT ONLINE, die Gespräche zwischen dem Bundesverkehrsminister und der EU-Kommission seien auf gutem Weg, um eine Lösung zur Frage herbeizuführen. Bei Gesprächen, die teilweise direkt zwischen Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Dobrindt stattfanden, seien "sehr weitreichende Fortschritte gemacht worden." Die Kommission sei "sehr zuversichtlich, dass letzte noch offene Fragen im Laufe des Novembers" geklärt würden.

Aus EU-Kreisen hieß es, dass es künftig günstige Kurzzeit-Vignetten für Pendler und Touristen geben soll. Diese sollten zum Beispiel für ein Wochenende oder zehn Tage gelten. Denkbar wäre eine Vignette in Höhe von 2,50 Euro für zehn Tage. Der Preis läge etwas über dem für eine Jahresvignette, die nach ursprünglichen Plänen im Durchschnitt 74 Euro kosten sollte.

Zudem dürfe bei der Einführung einer Pkw-Maut die Steuerbelastung für deutsche Autofahrer nicht 1:1 sinken, wie es die CSU-Pläne vorsahen. Das würde eine Diskriminierung ausländischer Fahrer darstellen. Stattdessen soll sich die Kfz-Steuer in Deutschland künftig an Umweltgesichtspunkten orientieren. Das bedeutet, dass deutsche Fahrer umweltfreundlicher Autos künftig sogar weniger Abgaben zahlen könnten.

Ein derartiger Kompromiss, dem auch die Bundesregierung noch zustimmen muss, würde im Einklang mit EU-Recht stehen. Die Kommission hatte Deutschland wegen der Mautpläne verklagt – unter anderem deshalb, weil die geplante Abgabe eine Diskriminierung ausländischer Autofahrer darstelle.

Die Pkw-Maut sollte schon Anfang dieses Jahres in Kraft treten, liegt wegen des Streits mit der EU-Kommission aber auf Eis. Nach früheren Schätzungen werden durch die Maut Einnahmen von 500 Millionen Euro jährlich erwartet. Die Abgabe soll grundsätzlich auf Autobahnen und Bundesstraßen erhoben werden. Ausländische Fahrzeughalter sollen allerdings auf Bundesstraßen nicht bezahlen, um den kleinen Grenzverkehr nicht zu belasten.