In der Adventszeit hat die Post Hochkonjunktur – und genießt offenkundig großes Vertrauen derer, die ihre Weihnachtsgeschenke online kaufen: Viele bestellen so kurz vor knapp, dass die Woche vor Weihnachten für Paketzusteller regelmäßig zur stressigsten des Jahres wird. Statt wie durchschnittlich vier Millionen liefern die DHL-Boten dann bis zu acht Millionen Pakete an einem Tag aus.

Doch nicht immer ist der Empfänger zu Hause, und der Nachbar ist womöglich genervt, wenn er ständig die Päckchen der anderen entgegennehmen soll. In Köln und Stuttgart testet DHL jetzt ein Alternativsystem, das Zustellern die Arbeit erleichtern könnte: In den beiden Städten liefert DHL über Nacht ins Auto – allerdings nur, wenn dieses ein Smart ist.

Der Kofferraum des Autos fungiert dabei als Packstation, wie der Hersteller der Kleinwagen erläutert: Bei der Bestellung gibt der Kunde an, dass die Sendung ins Auto geliefert werden soll, der Paketbote bekommt einen virtuellen Einmal-Schlüssel, mit dem er das Auto lokalisiert, aufschließt und nach dem Ablegen des Paketes auch wieder abschließt. Liegt im Kofferraum eine Retoure, nimmt der DHL-Fahrer sie mit.

Voraussetzung für das Verfahren ist, dass das Auto vernetzt, also mit dem Internet verbunden ist. Smart-Fahrern, die an dem Beta-Test teilnehmen, bezahlt die Daimler-Tochter die nötige Nachrüstung des Fahrzeugs mit einer sogenannten Connectivity-Box beim Händler. Damit können die aktuellen Smarts und das Coupé der Vorgängergeneration ausgerüstet werden. In Bonn und Berlin soll der Dienst nächstes Jahr starten, weitere Städte folgen. Wer mitmachen möchte, bewirbt sich auf der Smart-Website

TAN wird zum Kofferraumschlüssel

Ist der Wagen vernetzt, meldet sich der Fahrer bei DHL und Smart für den Dienst an und lädt die Smart-App auf sein Handy. Bestellt er nun bei einem der Partner – dazu zählen unter anderem Amazon, FashionID (Peek&Cloppenburg) und der Lebensmittel-Onlinehändler Allyouneedfresh.de – dann generiert er in der App eine Transaktionsnummer (TAN), die er in das c/o-Adressfeld der Lieferadresse eingibt. Damit ist die Sendung als Zustellung ins Auto markiert.

Für den Zusteller wiederum ist die TAN-Nummer der einmalige Schlüssel zum Fahrzeug. Gibt er sie in in seiner App ein, kann er das Fahrzeug orten. Steht er dann mit dem Paket vor dem Kofferraum, öffnet er das Auto mithilfe seiner App und der TAN. Um sicherzustellen, dass er auch wirklich vor Ort ist, muss er zuvor allerdings noch seinen persönlichen PIN sowie die letzten Ziffern des Kennzeichens eingeben. Hat er das Paket deponiert, schließt er per App wieder ab.

Das System ist laut Smart so programmiert, dass der Paketbote keinen weiteren Arbeitsschritt unternehmen kann, solange das Auto nicht abgeschlossen ist. Der Smart-Besitzer bekommt eine Nachricht, dass die Sendung abgelegt wurde und kann auf seiner App auch nachsehen, ob das Auto verschlossen ist.

30 bis 50 Pakete pro Nacht

Die Konnektivitätstechnik basiert auf dem System, das Smart schon seit Jahren bei seinem Carsharing-Dienst car2go einsetzt. Auch dort können die Nutzer die Fahrzeuge per Smartphone öffnen. Die langjährige Erfahrung habe ein sehr stabiles System hervorgebracht, sagt ein Smart-Sprecher. Sorge vor Hacker-Angriffen habe man daher nicht.

Vom Reifegrad der Technik profitiert auch der Zusteller: Er muss nicht lange auf eine Antwort des Systems warten, wenn er vor dem Auto steht, sondern kann den Kofferraum innerhalb von Sekunden nach der Authentifizierung öffnen. An der Haustür klingeln, warten, die Treppe hochlaufen und das Paket persönlich abgeben dauert deutlich länger. Sicherlich ein Grund, warum auch DHL an dieser Art der Wunschzustellung interessiert ist.

In Stuttgart ist der Dienst vor vier Wochen in die Beta-Phase gestartet, in Köln vor zwei. Laut DHL werden derzeit jede Nacht zwischen 30 und 50 Pakete ausgeliefert, oft Bestellungen, die erst über den Tag eingegangen sind. Künftig soll auch über Tag ausgeliefert werden, dann muss der Smart auch nicht mehr im 500-Meter-Radius um die eigene Adresse abgestellt sein, wie es jetzt der Fall ist.