Im Winter begegnen mir immer wieder andere Autofahrer, die weder die Scheiben komplett säubern, noch bei schlechten Sichtverhältnissen das Licht am Wagen einschalten. Kann ich mir das zukünftig auch sparen – denn es kostet mich morgens Zeit und kalt ist es außerdem?, will ZEIT-ONLINE-Leserin Brigitte Graf wissen.

Frühmorgens in der Dunkelheit die eingeschneiten oder vereisten Scheiben freizulegen, das bereitet nur wenigen Zeitgenossen Freude. Doch die eigene Sicherheit und die anderer Verkehrsteilnehmer sollten jedem Autofahrer schon die Zeit und Mühe wert sein.

"Wer sich diese Arbeit sparen will, gefährdet auch den Versicherungsschutz in der Kaskoversicherung und riskiert ein Bußgeld von zehn Euro", fügt der Verkehrsrechtsexperte Herbert Engelmohr vom Automobilclub von Deutschland (AvD) hinzu, denn kunstvoll in die Eis- oder Schneeschicht gekratzte Gucklöcher reichen nicht. Der Fahrer muss bei allen Witterungsverhältnissen ein ausreichend großes Sichtfeld haben.

Wer ganz schlau sein möchte, einfach die Wagenheizung anwirft und darauf hofft, dass die vereiste Windschutzscheibe während der Fahrt schon auftauen wird, gefährdet sich und andere. "Vereiste Autoscheiben müssen vor Fahrtbeginn vom Eis befreit werden. Allerdings reichen bei einer vereisten Heckscheibe zwei funktionsfähige Außenspiegel aus, um die notwendige Sicht nach hinten zu gewährleisten", fasst Engelmohr ein Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) Karlsruhe zusammen (Az.: 3 Ss 12/86).

Ärger handeln sich auch diejenigen ein, die den Motor im Stand warmlaufen lassen. Manchmal schimpfen Passanten lautstark, denn das wünscht sich niemand am frühen Morgen. Außerdem entstehen unnötige Abgase. Es kann passieren, dass ein Bußgeld von zehn Euro fällig wird. "Ein Frostschutzmittel in die Scheibenwischanlage geben, hilft zu verhindern, dass das Wasser gefriert", rät der AvD-Jurist außerdem.

Komplizierter ist dagegen die Sache mit dem Licht am Auto. Anders als in einigen anderen europäischen Nachbarländern gibt es in Deutschland tagsüber keine generelle Lichtpflicht. Wenn es grau, düster und nebelig ist, die Sichtverhältnisse also auch tagsüber schlecht sind, muss das Abblendlicht auch am Tag angeschaltet werden. "Das Tagfahrlicht, welches bei neueren Fahrzeugmodellen bereits obligatorisch vorhanden ist, reicht in diesem Fall nicht aus", betont Engelmohr. "Es ist zum einen nicht ganz so hell wie das Abblendlicht, und zum anderen leuchtet es nur nach vorne. Hinten bleibt das Fahrzeug beim Tagfahrlicht unbeleuchtet."

Wer das Abblendlicht trotz schlechter Sicht nicht einschaltet, muss mit einer Geldbuße von 20 Euro, bei Gefährdung anderer mit 25 Euro rechnen. Kommt es zu einem Unfall, werden 35 Euro fällig. Ein Verwarngeld von zehn Euro sieht der Bußgeldkatalog für diejenigen vor, die nur mit Standlicht fahren, nicht mit dem erforderlichen Abblendlicht. Bei defekten oder nicht vorhandenen Beleuchtungseinrichtungen droht eine Strafe von 20 Euro.

Teurer wird es im europäischen Ausland. In manchen Ländern gibt es eine Lichtpflicht, zum Beispiel im Nachbarland Dänemark. Dort beträgt das Bußgeld 500 Kronen (rund 67 Euro). Auch die Schweiz hat eine Lichtpflicht – wer sich nicht daran hält, muss mit einem Bußgeld von 40 Franken (rund 37 Euro) rechnen. In Norwegen werden sogar umgerechnet 190 Euro fällig. Auch Tschechien, die Slowakei und weitere EU-Länder verlangen, tagsüber mit Licht zu fahren.

Der Verbandsjurist Engelmohr weist darauf hin, beim Fahren mit Fernlicht darauf zu achten, rechtzeitig abzublenden, um Fahrer entgegenkommender oder in kurzem Abstand vorausfahrender Fahrzeuge nicht zu blenden. Verstöße hiergegen werden mit 20 Euro, bei Gefährdung mit 25 Euro sowie 35 Euro bei einem Unfall geahndet.

Ebenfalls wichtig: Nebelschlussleuchten dürfen nur bei durch Nebel eingeschränkten Sichtweiten unter 50 Metern genutzt werden. "Die missbräuchliche Nutzung von Nebelscheinwerfern oder Nebelschlussleuchten kostet 20 Euro, bei Gefährdung anderer 25 Euro und bei einem Unfall 35 Euro", sagt der AvD-Experte.