Cervélo ist im Radsport ein klangvoller Name. Doch lange Touren auf den Rennrädern dieses Herstellers sind nicht jedermanns Geschmack. Ein Reiserad aber soll's auch nicht sein, um mal ein paar Stunden im Sattel zu verbringen. In diese Lücke stoßen die sogenannten Endurance-Bikes. Zu denen zählt auch Cervélos Modell C5, das sich in die Reihe der teuren Hightech-Räder einsortiert.

Zum Hightech zählt zunächst einmal der superleichte Carbonrahmen: Lackiert wiegt er mit Kleinteilen und bei Rahmengröße 56 gerade mal 850 Gramm, das ganze Rad bringt ohne Bleche 7,6 Kilogramm auf die Waage. Die besondere Rahmengeometrie des C5 beschert dem Fahrer oder auch der Fahrerin eine etwas aufrechtere Position. Der Rücken ist also nicht ganz so gebeugt wie bei einer Rennmaschine. Das dient dem Komfort – ebenso wie die 28-Millimeter-Grand-Prix-Reifen von Continental. Die haben zwar so gut wie kein Profil, rollen aber aufgrund der Breite, Höhe und Gummimischung wunderbar gelassen über Feld- und Waldwege, selbst dann, wenn der Untergrund vom Regen aufgeweicht oder gar matschig ist.

Auf der Straße werden daher Fahrbahnschäden spürbar besser gefiltert, schlagen nicht gleich durch bis in die Wirbelsäule. Der Luftdruck von bis zu 8 bar und die glatte Lauffläche garantieren andererseits, dass sich der Rollwiderstand in Grenzen hält und keine zusätzlichen Kraftaufwendungen notwendig sind, um bei Bedarf das Tempo hoch zu halten. Auch dann nicht, wenn, wie in dieser kühlen und vor allem oft feuchten Jahreszeit, Schutzbleche montiert sind. Keine Steckbleche, sondern wirklich angeschraubte. Denn auch das ist an diesem Endurance-Bike ganz einfach machbar.

Die Handhabung leidet darunter nicht. Der Rahmen mit dem langen Steuerrohr reagiert präzise auf Lenkbewegungen und vermittelt enorme Stabilität auch bei kurzen Sprints mit den Händen am Unterlenker oder im Wiegetritt am Berg, wenn die Bremsgriffe den entscheidenden Halt geben.

Man fühlt sich auf Anhieb wohl

Die Gänge lassen sich über eine Dura-Ace-Schaltung von Shimano wechseln, die spontan und exakt reagiert. Die Kette fällt schnell und locker vom 50er- auf das 34er-Blatt, auch die Rückführung auf das große Blatt wird blitzsauber erledigt. Hinten ist eine Kassette mit 11 Kränzen von 11 bis 28 Zähnen montiert. Damit verfügt das C5 über eine breite Spreizung, die es auch erlaubt, extreme Steigungen zu meistern, ohne vom Rad zu müssen. Dank Shimano-Scheibenbremsen sind auch plötzliche Bremsmanöver kein Problem. Das Rad hält gut die Spur.

Alles in allem fühlt man sich auf Anhieb wohl auf dem C5. So, als habe man schon Tausende von Kilometern im Sattel des Bikes zurückgelegt. Vor allem auf längeren Touren macht sich das Mehr an Komfort gegenüber einer Rennmaschine bemerkbar. Vermutlich ist es die entspanntere Position auf dem Endurance-Bike, die das Gefühl aufkommen lässt, die Tour könnte noch ein paar Kilometer weitergehen. Doch auch auf dem C5 machen letztlich die Beine deutlich, dass die Belastungsgrenze für die Muskulatur erreicht ist.

Wer sich für den ebenso komfortablen wie sportlichen Alleskönner entscheidet, der muss allerdings eine größere Summe hinlegen. Schon das Rahmenset kostet 4.000 Euro, für das komplette C5 verlangt Cervélo 7.000 Euro.