Nach den Abgas-Betrugsvorwürfen in den USA gegen Fiat Chrysler erhöht die EU-Kommission den Druck auf das EU-Mitgliedsland Italien. Die dortigen Behörden sollen seit Langem prüfen, ob bei dem italienisch-amerikanischen Automobilhersteller alles mit rechten Dingen zugeht. "Wir haben die italienischen Behörden wiederholt gebeten, so bald wie möglich überzeugende Antworten zu geben", sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde. Diese seien bislang ausgeblieben. "Uns geht allmählich die Zeit aus, weil wir die Gespräche über die Konformität von Fiat bald beenden wollen." In Brüssel war von einem Zeitrahmen von einigen Wochen die Rede.

Am Donnerstag hatte die US-Umweltbehörde EPA dem Autohersteller vorgeworfen, in US-Fahrzeugen mit Dieselmotoren eine Software zu verwenden, die zu einer Überschreitung der geltenden Abgaswerte führt. Die deutsche Bundesregierung geht davon aus, dass bei Fiat-Modellen eine unzulässige Abschaltung der Abgasreinigung eingesetzt wurde. Das hätten Tests des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) ergeben, sagte eine Sprecherin des Verkehrsministeriums in Berlin. Nach Messungen des KBA schalte in bestimmten Fahrzeugen die Abgasreinigung jeweils nach 22 Minuten vollständig ab. Abgastests dauern in der Regel 20 Minuten.

Der Autohersteller bestreitet die Vorwürfe. "Wir haben keinerlei Betrug begangen", sagte Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne in einem Interview mit italienischen Medien. Sollte die EU-Kommission den Verdacht haben, dass Italien EU-Recht nicht einhält – die Kontrolle der Autobauer ist Aufgabe der nationalen Behörden – dann könnte sie ein Verfahren gegen Italien einleiten. Ein solches Verfahren wegen Schummeleien von Herstellern bei Abgastests läuft seit Anfang Dezember bereits gegen Deutschland, Großbritannien, Spanien und Luxemburg.

Fiat Chrysler hätte Kontroll-Software den Behörden melden müssen

Wie die US-Behörde EPA am Donnerstag betonte, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht sicher, dass die von Fiat Chrysler verwendete Software zur Abgaskontrolle – sogenannte Auxiliary Emission Control Devices (AECD) – illegale Abschalteinrichtungen seien. Die US-Umweltgesetze sehen allerdings vor, dass ein Autohersteller auch die Verwendung legaler AECD vorab den Behörden melden muss. Das habe Fiat Chrysler nicht getan, so die EPA. Es geht in den USA um rund 100.000 SUV und Lastwagen mit Dieselmotor. In Brüssel war von Schätzungen die Rede, wonach in der EU ungefähr 33.000 Wagen der beiden betroffenen Modelle von Jeep und Dodge im Umlauf sein dürften.

Die Autobranche steht seit Langem wegen überhöhter Abgaswerte unter Druck. Im September 2015 war Volkswagen in den USA mit der Manipulation von Dieselemissionen aufgeflogen. Eine Software sorgt dafür, dass die Grenzwerte für gesundheitsschädliches Stickoxid (NOx) nur auf dem Prüfstand eingehalten werden, im normalen Straßenverkehr ist der NOx-Ausstoß um ein Vielfaches höher.  Betroffen sind weltweit rund elf Millionen VW-Fahrzeuge. In Europa steht der Wolfsburger Konzern nach wie vor auf dem Standpunkt, man habe keine verbotene Abschalteinrichtung verwendet.

Auch Europas zweitgrößter Autohersteller Renault ist wegen möglicher Abgasmanipulationen inzwischen im Visier der Behörden: Die Pariser Staatsanwaltschaft übertrug die Ermittlungen zu Dieselmotoren an drei Untersuchungsrichter, wie die Behörde mitteilte. Der Vorwurf lautet auf Betrug mit Folgen für die menschliche Gesundheit. Renault bestätigte die Ermittlungen, wies den Verdacht aber zurück. Das Unternehmen beachte alle Gesetze zu Emissionen, die Autos seien nicht mit einer Schummelsoftware ausgerüstet. Im Zuge des VW-Skandals hatte eine Expertenkommission in Frankreich Abgastests an zahlreichen Autos vorgenommen. Bei vielen Fahrzeugen wurde eine deutliche Überschreitung der zulässigen Grenzwerte festgestellt, unter anderem bei Autos von Renault.