Wir planen, mit dem eigenen Wagen in den Skiurlaub zu fahren. Müssen wir uns vorsorglich Schneeketten kaufen oder reichen Winterreifen aus?, will ZEIT-ONLINE-Leser Dietmar Geiger wissen.

"Schneeketten ersetzen die Winterreifen nicht, können diese jedoch insbesondere bei Straßen mit geschlossener Schneedecke, auf Steigungen oder Gefälle ergänzen", sagt der Verkehrsrechtsexperte Herbert Engelmohr vom Automobilclub von Deutschland (AvD). Allerdings müssen Kraftfahrer darauf achten, dass die Ketten die Fahrbahn nicht beschädigen. Das schreibt Paragraf 37 der Straßenverkehrszulassungsordnung vor.

Für bestimmte Straßen oder Regionen kann eine Pflicht bestehen, bei winterlichen Straßenverhältnissen Schneeketten aufzuziehen. Das wird mit dem Verkehrszeichen 268 angezeigt und betrifft alle (mehrspurigen) Fahrzeuge. Meistens reicht es aus, wenn die Antriebsräder mit Schneeketten ausgerüstet werden. In Deutschland gilt dann automatisch eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Wer die Schneekettenpflicht ignoriert, muss hierzulande mit einem Verwarngeld von 20 Euro rechnen.

Bei diesem Schild sind Schneeketten Pflicht. © Bundesanstalt für Straßenwesen

In der Schweiz gibt es keine generelle Winterreifen- und Schneekettenpflicht. Winterreifen werden aber bei winterlicher Witterung empfohlen. "Wer wegen einer Sommerbereifung seines Fahrzeugs andere behindert, muss mit einer Geldbuße rechnen, und bei einem Unfall trifft ihn möglicherweise eine Mithaftung", sagt Engelmohr.

Sind in bestimmten Regionen der Schweiz Schneeketten durch ein Verkehrsschild angeordnet, müssen diese für mindestens zwei Antriebsräder aufgezogen werden. Allradfahrzeuge sind von dieser Regelung nur ausgenommen, wenn es ausdrücklich ausgeschildert ist. Für Fahrzeuge mit Spikes-Reifen gilt das Tempolimit von maximal 80 km/h, während der Nutzung der Spikes-Reifen soll die Höchstgeschwindigkeit durch einen Aufkleber am Heck angezeigt werden. Für im Ausland zugelassene Fahrzeuge gelten bei Bereifung und Dauer der Verwendung die Regeln des Heimatstaates.

Anders sieht es in Österreich aus: Dort besteht eine Winterreifenpflicht auch für im Ausland zugelassene Pkw und Busse bis 3,5 Tonnen. Sie benötigen zwischen dem 1. November und dem 15. April bei Schnee, Matsch oder Eis an allen vier Rädern Winterreifen (mit M+S Kennzeichnung, Profiltiefe mindestens vier Millimeter) oder an mindestens zwei Antriebsrädern Schneeketten.

Wer dagegen verstößt, riskiert eine Geldbuße von 35 Euro. Liegt eine Gefährdung anderer vor, kann das Bußgeld bis zu 5.000 Euro betragen. Die in Österreich empfohlene Höchstgeschwindigkeit liegt bei 50 km/h.

"Lkw und Busse über 3,5 Tonnen müssen in der Zeit vom 1. November und dem 15. April Schneeketten für mindestens zwei Antriebsräder immer mitführen", sagt AvD-Jurist Engelmohr und ergänzt: "Für eine Urlaubsfahrt lohnt es sich nicht unbedingt, einen Satz Schneeketten zu kaufen. Kraftfahrer können die Ketten beispielsweise beim AvD mieten und anschließend wieder zurückgeben."