Der Kämmerer von Potsdam könnte ein zufriedener Mann sein. Er verwaltet eine wachsende Stadt. Eine wachsende Universität. Und erst die Touristen! Es sind so viele, sie verstopfen auf dem Weg zum Schloss Sanssouci und nun auch zum neuen Barberini-Museum die Straßenbahn.

Die Preise

In etwa zwei Dritteln der Städte wurde der Nahverkehr 2016 oder 2017 teurer. Die Karte zeigt, wo die Preise der Einzeltickets besonders angezogen haben

Civity © ZEIT-Grafik

Doch beim Stichwort Straßenbahn greift Burkhard Exner schnell zu einem Stapel Papier. Seiten voller Zahlen, Spalten, Grafiken. Sie zeigen vor allem eines: Egal, wie sehr die Stadt wächst und wie sehr sie Studenten und Touristen anzieht, der Nahverkehr wird dem Kämmerer immer Geld abverlangen. "Fipp", so nennt Exner die Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH dennoch liebevoll. Schließlich ist der Potsdamer Bürgermeister ja auch Aufsichtsratschef der ViP, und die gehört vor allem wegen ihrer Straßenbahnen zu den besten Anbietern in Deutschland.

Trotzdem spiegelt der "Fipp" das ganze Dilemma des öffentlichen Nahverkehrs im Land. Die Fahrgastzahlen legen zu, und doch ist der Nahverkehr wie eh und je von einem Gleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben weit entfernt. Die Ticketerlöse decken rund 40 Prozent der Kosten, sagt Martin Grießner, einer der beiden Geschäftsführer des "Fipp". Die Verluste belaufen sich auf über 20 Millionen Euro. Jährlich.

Das Licht einschalten, den Nahverkehr unterstützen

Wer gleicht das Minus aus? Die Stadtwerke Potsdam springen ein, und dass diese Konstruktion auf Dauer angelegt ist, sieht man schon daran, dass der "Fipp" eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke ist, und die wiederum gehören der Stadt. Die gibt aus ihrer Kasse 3,5 Millionen Euro dazu. Der Zuschuss lindert den Jahresverlust. Dazu kommen öffentliche Mittel vom Bund.

Doch letztlich "werden wir vor allem aus den Gewinnen der Energie- und Wasserversorgung finanziert", bestätigt Geschäftsführer Grießner. Dreht ein Potsdamer den Wasserhahn auf, wäscht er Wäsche oder schaltet das Licht ein, fließt ein Bruchteil von ein paar Cent durch die Leitungen zur Tram.

Diese Tram ist in Potsdam den ganzen Tag über gut ausgelastet. Vor allem die beiden Linien 92 und 96. Von den täglich rund 72.000 Fahrgästen nutzt fast die Hälfte diese Linien. Sie ziehen sich vom Stadtteil Drewitz im Südosten durchs Zentrum bis Bornstedt im Norden, es sind die längsten Tramstrecken der Stadt.

An der 92 und der 96 wird auch klar, warum der Erfolg die Kosten noch steigen lässt. In diesem Jahr verlängert der "Fipp" einen Teil seiner Trambahnen von 30 auf 40 Meter, um die wachsende Zahl der Fahrgäste befördern zu können. "Die Investitionen können mit dem rasanten Wachstum der Stadt aber kaum Schritt halten", sagt Grießners Co-Geschäftsführer Oliver Glaser.