Eine Nachricht zur Unzeit: General Motors will Opel an den französischen PSA-Konzern mit den Marken Peugeot und Citroën verkaufen. Dabei plant Opel-Chef Karl-Thomas Neumann seit Monaten, das Unternehmen zu einem reinen Hersteller von Elektroautos umzubauen. So berichtet es zumindest das Manager Magazin.

Der Verbrennungsmotor soll bei Opel demnach bis 2030 ganz aus dem Programm fliegen und durch einen rein elektrischen Antrieb ersetzt werden. Im Frühjahr hätte Neumann die Idee seiner obersten Chefin, GM-Konzernlenkerin Mary Barra, in Detroit vorstellen wollen.

Der mögliche Eigentümerwechsel kam auch für Neumann überraschend. Seit einer knappen Woche steht die Übernahme von Opel durch PSA im Raum. Bereits seit 2012 existiert eine Allianz zwischen GM und PSA für gemeinsame Projekte in Europa. Mittlerweile hat das Thema die höchste politische Ebene erreicht: Am Dienstag telefonierte PSA-Chef Carlos Tavares mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, um über das Vorhaben zu sprechen.

Dabei bekräftigte Tavares laut Regierungssprecher Steffen Seibert die Eigenständigkeit von Opel im Konzernverbund. Außerdem habe Tavares zugesichert, die laufenden Garantien für Standorte und Arbeitsplätze in Deutschland zu akzeptieren. Damit wäre allerdings lediglich ein vorläufiger Joberhalt verbunden, denn ausgeschlossen sind betriebsbedingte Kündigungen an den deutschen Opel-Standorten nur bis Ende 2018.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer erwartet, dass es danach mit Abfindungen losgehen kann: Denn ein Stellenabbau sei bei einer Übernahme für PSA der einzige wirksame Kostenhebel, so Dudenhöffer. Opel schreibt seit 1999 Verluste. In Deutschland sind mehr als 19.000 Menschen bei Opel beschäftigt, der Autohersteller betreibt Werke am Stammsitz Rüsselsheim, in Eisenach und Kaiserslautern.

Ziel ist ein "europäischer Automobil-Champion"

Laut dem Opel-Gesamtbetriebsrat sagte die PSA-Führung zu, man wolle gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern "einen europäischen Automobil-Champion mit deutsch-französischen Wurzeln" schaffen. Wäre da Neumanns Idee, die Marke auf den Elektroantrieb zu fokussieren, eine gute Zukunftsstrategie?

Zunächst einmal: Auch ohne die Verkaufsgespräche wäre eine positive Antwort aus der Chefetage des GM-Konzerns fraglich gewesen. Opels Problem ist aus GM-Sicht ja gerade, dass die Marke seit Jahren kein Geld verdient. Ein kompromissloser Einstieg in die Elektromobilität würde die Gewinnsituation kaum verbessern, gilt diese Technik doch aktuell und bis auf Weiteres als Zuschussgeschäft für Autohersteller.