Eines muss man Tesla lassen: Der kalifornische Autobauer hat die Branche aufgemischt und Lösungen zu Problemen gefunden, die vorher niemanden kümmerten. Das Thema Schnellladestationen an Autobahnen beispielsweise wäre ohne Teslas privates Engagement gar keins. So aber wollen plötzlich auch andere Hersteller sich an einem Ladenetz beteiligen.

An den Tesla-Ladesäulen bekommt der Kunde den Strom derzeit noch kostenlos. Das gilt auch für das Model X, das wir im winterlichen Alltag ausprobiert haben. Das Fahrzeug ist eine Art SUV, wobei der 5,04 Meter lange Wagen optisch eine Mischung aus Van und SUV-Coupé ist, jedenfalls nichts mit herkömmlichen SUV-Maßstäben zu tun hat. Auf der Straße wirkt er trotz seiner Breite von 2,07 Metern elegant, die Form stimmig.

Weil die gelungene, aber letztlich einfache Form dem geneigten Käufer zu wenig sein könnte, um die Andersartigkeit seines Fahrzeugs zu dokumentieren, und weil – wie man hört – 90 Prozent der Kunden in Befragungen Gefallen daran gefunden haben, hat Tesla dem Model X Flügeltüren spendiert. Aber nur hinten. In der Theorie wird so das Einsteigen auch in engeren Parklücken einfacher, praktisch gehen die Flügel nicht viel weniger weit auf als die herkömmlichen Türen vorne. Nebenbei: Einem Fahrzeug dieser Breite wird jede europäische Standardparkbucht zu eng, sodass man derlei Stellflächen besser ganz meidet.

Alle Türen öffnen und schließen elektrisch. Was schick ist, aber länger dauert als ohne Hilfsmittel. Im Alltag nutzt man darum die hinteren Portale nicht, um mal schnell eine Tasche auf den Sitz zu legen oder seine Jacke aufzuhängen, wie in normalen SUVs. Dazu dauert der Prozess zu lange und für die Jacke sucht man einen Haken vergeblich. Das Tesla Model X darf das, weil es anders ist und anders sein muss.

Bekannt ist, dass die Modelle von Tesla im Interieur auf Schalter verzichten und man alles über einen tatsächlich ziemlich intuitiv zu bedienenden Riesenbildschirm regelt. Das funktioniert gut mit kleinen Schwächen, die an mangelnder Gewohnheit liegen dürften. Angenehm ist, dass sich das Auto entriegelt, wenn man sich nähert. Der Verzicht auf einen Startknopf oder einen Zündschlüssel ist nur folgerichtig: Wo es mangels Verbrennungsmotor nichts zu zünden gibt, reicht der Tritt auf das Bremspedal, um das Auto fahrbreit zu machen. Zum Start nutzt man den Lenkradhebel und tippt ihn Richtung D, und schon schnurrt das 2,5-Tonnen-Gefährt nahezu lautlos davon.

Beim Druck auf das Strompedal gilt es, Vorsicht walten zu lassen. Tesla nutzt die Grundeigenart von Elektromotoren, ihr maximales Drehmoment vom Start weg abzugeben, um phänomenale Sprintwerte zu erzeugen. Aus dem Stand vergehen nur 3,1 Sekunden, bis der Tacho die 100er-Marke erreicht hat. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h. Das ist nicht weiter verwunderlich, liegen doch 374 kW (510 PS) an der Hinterachse und 192 kW (262 PS) vorn an. Die 100 Kilowattstunden große Batterie kann aber nur so viel Strom abgeben, dass die Systemleistung auf 611 PS begrenzt ist.