Der frühere Aufsichtsratschef des Autobauers Porsche, Ferdinand Piëch, hat nach Informationen des Spiegels und der Bild am Sonntag vor der Staatsanwaltschaft Braunschweig ausgesagt, er habe vier Aufsichtsräte des VW-Konzerns frühzeitig über Hinweise auf den Dieselbetrug informiert: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, VW-Betriebsrat Bernd Osterloh, Ex-IG-Metall-Chef Berthold Huber und Wolfgang Porsche.

Die vier Aufsichtsräte hätten demnach bereits Anfang März 2015 von ihm erfahren, dass es Hinweise auf Abgasmanipulationen in den USA gebe. Offiziell flog der Betrug erst im September 2015 in den USA auf, ein halbes Jahr später. Das Unternehmen gestand die Manipulation danach ein. Weltweit sind elf Millionen Fahrzeuge betroffen, die meisten davon in Europa.

Kürzlich hatte der Spiegel bereits berichtet, Piëch habe auch Ex-Konzernchef Martin Winterkorn gegenüber der Staatsanwaltschaft Braunschweig belastet. Piëch gab demnach an, Ende Februar 2015 von einem Informanten aus Israel den Hinweis erhalten zu haben, dass der Autobauer Abgaswerte manipuliere und deswegen ein großes Problem in den USA habe. Damit habe er Winterkorn konfrontiert. Dieser soll entgegnet haben, er habe die Sache im Griff.

Der VW-Aufsichtsrat soll gegenüber dem Spiegel erklärt haben, dass die Anschuldigungen Piëchs falsch sind. Die Kontrolleure hätten erst durch die Veröffentlichung der US-Behörden am 18. September von dem Dieselskandal erfahren. Der damalige Aufsichtsratschef Piëch habe sie zuvor nicht informiert. 

"Völlig unsinnig"

Ein Mitglied des Aufsichtsratspräsidiums sagte dem Magazin, er sei bereit, eidesstattliche Versicherungen dafür abzugeben. Eine solche Behauptung sei auch völlig unsinnig. "Sonst hätten wir ja nicht auf einen Rückzug Piëchs aus dem Aufsichtsrat gedrängt, sondern kritische Fragen zu Herrn Winterkorn gestellt."

Ministerpräsident Weil erklärte gegenüber dem Spiegel: "Mir sind diese Vorwürfe seit einigen Monaten bekannt. Sie sind einer unabhängigen Prüfung unterzogen und als unglaubwürdig bewertet worden. Tatsächlich hat es im Frühjahr 2015 von keiner Seite Hinweise an mich gegeben, Volkswagen nehme unzulässigerweise Einfluss auf Schadstoffwerte. Davon habe ich erst am 19. September 2015 erfahren. Jede anderslautende Darstellung ist schlichtweg falsch."

Das Land Niedersachsen ist ein wichtiger VW-Anteilseigner.