Bei der im konkreten Fall ermittelten Reserve von 125 Ampere können theoretisch rund 50 Pkw gleichzeitig einphasig mit 1,8 Kilowatt geladen werden. Da am Anfang zunächst wenige Elektroautos vorhanden sein dürften, könnten diese, falls möglich, mit deutlich höherer Leistung geladen werden. Das entspräche beispielsweise vier Teslas mit knapp 22 kW.

Elektroinstallateure, die Erfahrung mit dem Thema haben, gibt es bislang wenige. Mennekes bietet etwas versteckt über eine eigene Website geschulte Installateure und "Qualitätspartner" an (zunächst muss eine eigene Anwendung konfiguriert werden). Vattenfall kooperiert in Berlin für den Aufbau von Ladestationen mit der Omexom Service GmbH. Für eine Gebühr von 90 Euro besichtigte ein Techniker die Tiefgarage.

Für die Grundinstallation einer Garage mit 48 Stellplätzen ergab sich im konkreten Fall eine Summe von rund 15.000 Euro. Dies umfasst unter anderem zwei Verteilerschränke mit Zähler und Lasttrennern sowie die Verlegung von Leitungen mit 35 und 70 Quadratmillimetern Querschnitt. Zudem ist die Ausstattung der Unterverteilungen mit Leistungsschaltern und Fehlerstromschutzschaltern (FI) für alle Stellplätze enthalten. Was aus verschiedenen Gründen aber nicht zu empfehlen ist, wie weiter unten erläutert wird. Es sollte daher möglich sein, die Grundinstallation günstiger anzubieten.

Smarte Ladestation kostet fast 2.000 Euro

Für jeden Stellplatz kommt dann noch der individuelle Anschluss einer Ladebox hinzu. Dies kostet bei der vom niederländischen Hersteller EV-Box produzierten Vattenfall Ladebox Smart knapp 2.000 Euro, je nach Entfernung des Parkplatzes von der Unterverteilung. Die Ladebox ist mit dem Vattenfall Backend über Funk verbunden. Über einen eingebauten RFID-Kartenleser wird die Berechtigung zum Stromladen im Backend abgefragt. Der Eigentümer der Ladeinfrastruktur erhält eine RFID-Karte mitgeliefert, die den Zugang zu dieser Ladebox erlaubt. Ob in der Tiefgarage überhaupt Mobilfunkempfang für die Verbindung zum Backend gegeben ist, steht auf einem anderen Blatt. Falls nicht, müsste das Funkmodem ausgebaut und zu einem Platz mit besserem Empfang verlegt werden. Ein Anschluss ans Internet per Festnetz wäre ebenfalls machbar. Über solche vernetzten Wallboxen ist es auch möglich, jedem Nutzer einen eigenen Stromlieferanten zuzuordnen.

Teurer kann der Anschluss jedoch bei sogenannten Doppelparkern werden. Zwischen den Parkern und der Wand ist oft wenig Platz, so dass es für Ladestation und Kabel sehr eng werden kann. Hersteller von Multiparkern bieten zwar entsprechende Systeme an. Die Verlegung der Kabel und Anschlüsse ist aufgrund der beengten Verhältnisse aber deutlich schwieriger als bei einem normalen Stellplatz.
Wie sollte ein Käufer oder eine Hausgemeinschaft daher am besten vorgehen? Da sich fast alle Garagen in baulicher und elektrotechnischer Hinsicht voneinander unterscheiden, sind nur recht allgemeine Empfehlungen möglich.

Sinnvoll erscheint auf jeden Fall, den Aufbau einer Installation vom Ende her zu denken. Der Worst Case - für E-Auto-Befürworter natürlich der Best Case - wäre die komplette Ausstattung aller Stellplätze mit einem Ladeanschluss. Da der Hausanschluss das in der Regel noch nicht hergibt, könnte die Leitung zur Unterverteilung zunächst überdimensioniert werden. Dann müsste zumindest das teure Kabel nicht ergänzt oder ersetzt werden, falls später der Hausanschluss verstärkt wird. Je größer die Reserve, desto unnötiger wird eine spätere Nachrüstung des Hausanschlusses.

Vorgaben zu Ladeboxen sinnvoll

Wenn die Eigentümergemeinschaft prinzipiell nichts gegen die Installation von Ladesäulen einzuwenden hat, könnte sie den Erstnutzern je nach Situation entsprechende Vorgaben machen. Das könnte beispielsweise bedeuten, dass nur solche Ladestationen erlaubt sind, die für ein Lastmanagement per Masterbox oder gar OCPP geeignet sind. Zu beachten ist dabei, dass man sich mit der Wahl der ersten Ladeboxen möglicherweise auf einen bestimmten Hersteller festlegt. Das könnte sich aber künftig ändern.

Die Frage nach der Ausstattung der Unterverteilung hängt ebenfalls stark von den verwendeten Ladeboxen ab. So verfügen einige Modelle bereits über einen FI-Schalter vom Typ B, der Gleichfehlerströme erkennt und in der Regel mehrere Hundert Euro kostet. Andere Ladeboxen haben eine Gleichstromfehlerüberwachung integriert, so dass in der Verteilung lediglich ein deutlich günstigerer FI vom Typ A installiert werden müsste.