Persönliche Papiere von Gottlieb Daimler im Archiv von Mercedes-Benz © Daimler

Dass die Sammlung so gut bestückt ist, habe vor allem einen Grund, sagt Jürgen Wittmann, der Leiter der Archive und Sammlung bei Daimler, und hält eine Verwaltungsanordnung hoch, die er die "Geburtsurkunde des Archivs" nennt: Schon 1936 forderte der Vorstand die gesamte Gesellschaft auf, alles Material vor der Entsorgung dem Archivar zur Sichtung anzubieten – während andernorts oft noch bis heute eine Kultur des Wegwerfens gepflegt wird. Kein Wunder also, dass Mercedes eben nicht nur 1.100 Autos im Museumsbestand hat, sondern in Fellbach auch mehr als 10.000 Filmdokumente, knapp 4,5 Millionen Bilder und rund 15.000 Bände an Bücher oder Zeitschriften lagern. Natürlich auch die Benz-Patentschrift von 1886, die seit 2011 Unesco-Weltdokumentenerbe ist.

Das Archiv wird von einem runden Dutzend Mitarbeitern zwar akribisch geführt und immer wieder aufs Neue durchforstet, und mittlerweile sind viele Dokumente über eine Website sogar online für jedermann zugänglich. Doch bisweilen finden Wittmann und sein Fellbacher Statthalter Gerhard Heidbrink in den Materialien eher zufällig die Antwort auf lange diskutierte Fragen.

Erst kürzlich zum Beispiel konnten sie zweifelsfrei klären, wofür denn nun das Kürzel SL beim legendären Flügeltürer-Sportwagen steht. Jahrelang rätselte die Mercedes-Gemeinde darüber und einigte sich am Ende auf irgendeine Kombination aus Sport, Luxus und Leicht – bis überraschend eine alte Pressemitteilung ("Informations-Unterlagen" für den "Sehr geehrten Schriftleiter") im Archiv ans Licht kam.

Dabei half den Mitarbeitern eine schwäbische Grundtugend. Das Dokument war nämlich nicht entsprechend abgeheftet, sondern wurde nur aufgehoben, weil ein sparsamer Schwabe es wiederverwendet und auf die freie Rückseite einen Presseausschnitt geklebt hatte. Mit dem Fund ließ sich das Rätsel einwandfrei klären: SL steht für super-leicht.

Mit diesem Fund konnte das Archiv belegen: Das Kürzel SL steht für "super-leicht". © Daimler

Christian Boucke, der Chef der Museums GmbH und damit auch oberster Chef der Sammlung, wünscht sich, das könnte bei allen Themen so sein. Doch so gründlich zum Beispiel der Werdegang Gottlieb Daimlers und seines Unternehmens dokumentiert sei, so dürftig sehe es im Vergleich dazu bei Carl Benz, seinem Unternehmen und seinen Produkten aus. Lückenlos werde die Geschichte deshalb wahrscheinlich nie erforscht sein, muss Boucke einräumen. "Aber wir sind auf einem guten Weg."