Erstaunlich, wie schnell man sich an den Anblick gewöhnt und aufhört, die Exemplare zu zählen: Tesla, Tesla, Tesla, Leaf, Zoe, Leaf, i3, i3, e-Golf. Nur den Think – ein 1990 in Norwegen konzipiertes Minielektroauto – entdeckt man im Osloer Straßenbild nicht. Die Fertigung wurde 2011 eingestellt. Dafür sind alle anderen Marken da. Es kommt einem auch vor, als würden in fast allen Straßen Ladestationen so häufig wie Parkuhren bereitstehen. Blickt man aufs Navi, quirlt es nur so vor den kleinen weißblauen Steckerzeichen.

So sieht also die Zukunft aus, wie man sie sich auch in der Berliner Politik für den innerstädtischen Verkehr wünscht. Für Befürworter der raschen Elektrifizierung der Mobilität ist Norwegen das Paradebeispiel, wie der Übergang von Verbrennungsmotor zu Batterie und E-Motor gelingen kann.

"Wir haben selbst keine Autohersteller", schränkt Christina Bu das skandinavische Vorzeigeprojekt mit feinem Lächeln ein. Die Generalsekretärin der norwegischen Vereinigung für Elektromobilität ist so etwas wie eine Lobbyistin und Vertreterin der E-Autofahrer mit rekordverdächtigen 40.000 Mitgliedern in Personalunion. "Unsere Politiker haben vor einigen Jahren verstanden, dass man die Nachfrage nur durch staatliche Förderungen und kommunale Anreize schafft."

Steuerbefreiter E-Autokauf

Wer ein Elektroauto – in Norwegen sind auch einige Wasserstofffahrzeuge unterwegs – erwirbt, muss weder die satten 25 Prozent Mehrwertsteuer noch die sogenannte Anschaffungssteuer bezahlen. So sind allein schon 80 Prozent der in Norwegen verkauften Volkswagen Plug-in-Hybride. Dass die teure Limousine Tesla S häufig anzutreffen ist, liegt daran, dass sie mit dem Steuerverzicht des Finanzministeriums billiger ist als ein konventioneller BMW der Fünfer-Reihe hierzulande: umgerechnet 75.000 Euro.

Doch auch emissionsfrei kann man sich im täglichen Stau der boomenden Metropole Oslo ärgern. Daher locken zusätzliche Angebote wie die kostenlose Nutzung der Fähren und Mautstraßen, vor allem aber der Busspuren – allerdings erst ab zwei Insassen, nachdem sich die Busfahrer beschwerten.

"Seit 2010 haben wir so die Zahl der Elektroautos im Land auf 110.000 Stück erhöht", erläutert Bu. Das sind rund vier Prozent aller Pkw in Norwegen. Auch die Skandinavier mögen SUVs und Kombis, deswegen wünscht sie sich von den Herstellern mehr Elektromodelle in diesen Segmenten.